Muliaugen auf der Pferdemesse

1000 Hände, 1000 mal die gleiche Frage, spontaner Auftritt – „Pferd Bodensee“

Tja, da kann man sich ja fast fragen, was die Maultiere auf einer Pferdemesse zu suchen haben. Aber nur „fast“! Denn in Frage gestellt hat niemand die Anwesenheit von Merle und Pablo in Friedrichshafen 🙂 Aber schließlich sind sie ja auch zur Hälfte Pferd und ein Hingucker auf jeden Fall!

Auch keine Frage ist es, daß es am besten ist, wenn die Tiere bzw. wenigstens 2 von ihnen leibhaftig vor den BesucherInnen stehen. 34 800 Menschen kamen nach Friedrichshafen! Sicher kam nicht jede/r bei uns am Stand vorbei, aber das sind doch noch einige mehr wie in Wolfegg beim Eselfest.
Tausende Hände wollten die beiden Mulis streicheln. Die ersten beiden Tage der Messe genoß Merle auch die Zuwendung. Doch am dritten Tag stellte sie sich auch wie Pablo so hin, daß es schwerer war sie zu erreichen.

Muli auf der Messe

Aber noch mal ganz von vorne.
Am letzten Donnerstag packte ich das Auto bis oben hin mit Materialien für den Messestand von Mittlere Alb zu Pferde e.V.  (www.wanderreiten-alb.de) und mit Werbung für uns (www.albmuli.de). In den Hänger kamen dann Pablo und Merle, die auch prima in den Hänger stiegen (von wegen sture Mulis!).
2 Stunden brauchten wir bis zur Messe Friedrichshafen. Dort schnell die Lage (Boxen im Stallzelt und Stand in der Halle) checken. Dann die Tiere ausladen und ins Stallzelt verfrachten. Leider hatte jemand den Einstreuballen aus der einen Box wohl schon brauchen können. Also fix mit den Händen ein bißchen Einstreu auch bei Merle verteilt. Die wälzte sich erst mal genüßlich auf dem Asphalt.  Heu bekamen sie aus dem Hänger in ihre Boxen. Super, daß die beiden ja schon messeerfahren sind. Alle möglichen Fahrzeuge und der Trubel waren ihnen schon bekannt.
Weiter ging es mit dem Stand vom Verein und der Paddockbox daneben für die Mulis. Das Dekorieren dauert auch immer seine Zeit. Zwischendurch zum Projektbüro, ob wir in den richtigen Boxen sind (letztes Mal gab es noch jemand mit Namen Krüger). Der Versuch zu klären, ob wir jetzt beim Abendprogramm mitmachen sollen oder nicht, gelang zunächst nicht. Zurück zum Stand. Dort fertig machen und einen Einstreuballen mit zur Box nehmen. Dann die Tiere noch mit Heu und Wasser versorgen und – ganz wichtig! – einmal durchknuddeln!
Der zweiter Versuch die Beteiligung am Programm zu klären, führt zunächst zu dem Ergebnis, daß die Nummer schon geprobt hat 😕 und es immer noch nicht klar ist, ob wir dabei sind. Dann bekomm ich doch den Menschen zu Gesicht, der den Packsattel und den Käse für die Schweizer Mulinummer hat. Am nächsten Morgen wollen wir testen, ob Pablo das mitmacht.
Kurz nochmal nach den beiden schauen: alles okay (natürlich wollen sie am liebsten mit mir mit!). Und ab in die Pension.

Am Freitag bin ich schon bald auf dem Messegelände, um nach den beiden zu sehen. Super, daß sie so gut mitmachen. Schnell die restlichen Sachen zum Stand bringen. Mistboy, Misteimer, Wassereimer nach dem Boxenmisten auch noch zum Stand bringen und dann die zwei in die Halle bringen. Sie laufen einfach mit 🙂 Im größten Trubel, inmitten von Messeaufbau und durch jeden Eingang (okay, die Drehtüren lassen wir weg) lassen sie sich in aller Ruhe zum Stand führen. Dort gab es dann erst mal Frühstück für die zwei.

Schon strömen die ersten BesucherInnen in die Halle. Und damit beginnt das Antwortmarathon auf die Frage „wer ist nochmal Vater? wer die Mutter?“ Ich hab mir vorgenommen, dazu einen Erklärfilm auf meinen Youtube-Kanal zu stellen. Das wird aber noch ein Weilchen dauern 😉
Bald schon geht es wieder raus aus der Halle für uns drei zum Anpassen und Ausprobieren des Packsattels.

Packmuli Pablo

Pablo ist natürlich um einiges schmaler als die stämmigen Freibergermulis, die den Sattel zuletzt getragen haben. Da gibt es einiges einzustellen. Er trägt es mit Geduld, nachdem nicht mehr so viele Menschen um ihn herumwuseln. Zu Anfang waren es ihm einfach zuviele und er stand nicht so besonders. Ich hatte ja auch noch Merle an der Hand, die ja auch nicht gerade mit großer Stehgeduld gesegnet ist 😉 . Aber es klappte und Pablo lief eine Proberunde mit den großen Käserädern auf dem Rücken problemlos. Also alles wieder runter und zurück in die Halle.

Hufbearbeitung MaultierLangweilig wurde mir nicht, denn viele Leute hatten Fragen zu den Mulis. Mittags dann ein Termin bei dem Hufschmieden. Pablo war das erste Muli für den Schmied und bekam einen Duplobeschlag vorne. Brav hielt er hin und ist nun auf den Bildern der Messe zu sehen. Merle durfte auch mit raus, denn wir waren zum Beschlagen im Freigelände.
Schon cool, wie ruhig die beiden blieben, wenn wir durch das Messegewühl zurück zum Stand drängten. Merle war nur ziemlich schnell 😉

Da den Tieren beim Rumstehen ja ziemlich langweilig wird, hatte ich dem Standnachbarn angeboten, ihm Merle als Demoobjekt zur Verfügung zu stellen. So kam Merle am Nachmittag noch in den Genuß einer Thermografie. Das heißt, sie merkte davon ja nichts (wird ja nur die Temperatur gemessen, die sie abgibt). Sie genoß es aber sehr, sich im Sand im Ring wälzen zu können. Spannend war, daß man auf den Aufnahmen dann sehen konnte, wo Pablo sie gerade in die Schulter gezwickt hatte und außerdem die ungleiche Erwärmung der Hufe (kommen wir später noch drauf).
Für Pablo war es eine Ruhepause ohne die „Madame“. Aber natürlich hat er sie auch vermisst!

Interessant war, daß viele am Stand gefragt haben, ob man die Mulis denn auch reiten könnte. An den Wänden des Paddocks hingen über die Bilder mit geritten und geführten Mulis 🙄 ! Aber es gab auch jede Menge Leute, die große Lust hatten, das mal auszuprobieren und vor allem vom Wanderreiten träumten. Mal sehen, was jetzt nach der Messe kommt.
Schön waren natürlich auch die Treffen mit alten Bekannten, die extra an unseren Stand kamen 🙂 . Da ist die Messe einfach ein super Treffpunkt, um Gesichter zu sehen, die man schon lange nicht mehr getroffen hat!

Kleines PackmuliAbends dann die Galashow und für uns die Premiere!
Wir spielten Schweizer 8) . Für Merle hatte ich noch eine Schweizer Fahne besorgt und sie über dem Sattel befestigt. Alles ganz spontan und ungeübt!
Zum Glück kann ich meine Tiere überall anbinden und so konnten wir die Zeit zwischen Satteln und Auftritt ein bißchen in Ruhe genießen. Die Aufregung und Spannung vor der Showarena war allen anzumerken. Zum Glück waren wir ziemlich zu Anfang dran. Hinter dem Viererzugwagen mit den vielen Glocken, vor den Waliser Ziegengespann ging es dann in die Arena mit lauter Musik und sich bewegenden Scheinwerfern. Pablo war die Ruhe selbst – einfach ein super cooles Muli 🙂 Merle war schon wesentlich aufgeregter. Normalerweise beruhigt sie sich ja dann, wenn es flott vorwärts geht. Eigentlich waren wir ja nur 2 Runden in der Halle unterwegs, aber es war ein Kampf! 😯 Merle wollte nämlich nur noch weg, als die 12 Jungs mit den großen Kuhglocken sich hinter uns in Bewegung setzten – ein Höllenlärm! Ich konnte Merle gut verstehen. Aber es nützte nix, sie mußte auf jeden Fall bei mir bleiben. Zum Glück lief Pablo einfach mit, aber mein linker Arm wurde mindestens 3 Meter länger vom Merle-halten. War ich froh, als wir raus waren!!!! Wahnsinn! Eine Gelassenheitsprüfung ist ja ein Nichts dagegen. Merle beruhigte sich dann schnell. Noch Absatteln, Material aufräumen und die Tiere ins Stallzelt. Durchknuddeln und ausgiebiges Loben gehört natürlich zum Abendprogramm!

Muli Pferd BodenseeDer zweite Messetag war wesentlich entspannter. Merle hatte ihren großen Auftritt bei den Hufbearbeitern. In Verknüpfung mit den Thermografie-aufnahmen wurde am Stand F-balance dem Publikum gezeigt, wie man die Hufe nach dem System bearbeitet. Merle hielt superbrav den Vorderfuß während der ganzen Demo (und hat mein Kraulen am Bauch genossen 😉 ). Ihre Größe war natürlich klasse auf dem engen Raum. Zurück im Paddock bei unserem Stand wurde auch der zweite Vorderhuf noch bearbeitet.
Neue MulifansDie Bedenken der Hufbearbeiter in Bezug auf Mulis waren nun endgültig verschwunden (zumindest was meine Tiere angeht 😉 ). Die Thermografie am Nachmittag brachte dann auch gleich das Ergebnis: schon nach ein paar Stunden nach der Bearbeitung waren die Hufe gleichmäßig warm! Die heiße (Biß-)Stelle am Rücken war auch verschwunden. Zur Freude von Daniel Altmann (www.energy-for-life.net) und testo.de stellte sich Merle mit den Vorderbeinen auf unseren Steighocker. So verfälscht der Sand das Bild nicht  – wozu Zirkuskunststücke nicht alles gut sind! 😉

Für den Galaabend hatte ich beschlossen, das Experiment, ob Merle den Lärm aushält, nicht zu wiederholen. Man soll es ja nicht übertreiben! Sie durfte im Stallzelt bleiben. Zu groß war mir die Gefahr, daß sie es doch schafft durchzugehen und sich dann wahrscheinlich mulitypisch nicht mehr fangen läßt. Das Chaos wäre nicht auszumalen!
Packmuli ruftPablo war zwar nicht ganz so zufrieden alleine und rief tatsächlich ein paar Mal (nach Merle?). Die Show nahm er aber wieder gelassen. Nur am Anfang machte er große Augen, denn Musik und Lichter waren ziemlich laut und hektisch. In aller Ruhe konnten wir unsere 3 Runden mit den anderen drehen. Er ließ sich auch nicht von den Pferden anstecken, die wie Merle die großen Glocken auch nicht so toll fanden. Ich bin ganz stolz auf meinen kleinen Spanier! 🙂
Nach dem Absatteln und Aufräumen gab es dann doch noch eine kleine Schmiedeaktion. Natürlich hatten sie ihre Arbeit noch mal beäugt und sind dann zum Ergebnis gekommen, daß der Beschlag nicht optimal ist. Zum Glück macht Pablo ja fast alles mit! Als die Beschläge dann unten waren, haben wir auch den Grund für die leichte Erwärmung der Hufe gefunden: die innenliegenden Noppen hatten sich in die Sohle gedrückt und so das Unbehagen verursacht. Jetzt durften sich die Hufe erst mal erholen.

Messe Pferd BodenseeAm dritten Messetag waren Pablo und Merle deutlich müder. Klar, denn außer dem Trubel tagsüber, gab es nachts ja auch nicht so Ruhe wie bei uns zuhause. Sicher fehlte ihnen auch die Herde. Es war wieder voll auf der Messe, aber nicht ganz so wie am Samstag und am Nachmittag wurde es schon deutlich ruhiger.
Pablo bekam vorne einen Trotterbeschlag drauf. Für mich eine Bestärkung weiter mit diesem Beschlag zu arbeiten. 😀

Demo Hufbearbeitung MaultierMerle zeigte sich bei der Demo am Hinterhuf von ihrer besten Seite. Nur nach der Demo wollte sie dringend weg und war nur schwer zu halten. Gut, daß die Messe nicht noch einen Tag länger ging!
Die Thermografie zeigte, daß körperlich nun alles in Ordnung bei Merle war.
Am Dünnschiss merkte man bei beiden Mulis, daß sie nun doch ziemlich gestresst waren.

Um 17 Uhr endete die Messe und wir waren schon eine halbe Stunde später auf dem Weg nachhause. Der Abbau ging dank vielen Hände flott und die Mulis waren auch schnell im Hänger.

Zuhause wurden die zwei natürlich lautstark begrüßt und gleich von den anderen Herdenmitgliedern über den Ausflug „ausgefragt“. Die zwei machten aber einfach eine Kontrollrunde im Stall und Auslauf, wälzten sich im Stroh und wollten ihre Ruhe beim Fressen. Die nächsten 2 Tage waren dann Erholung angesagt!

Fazit:
Toll, daß die zwei so gut mitmachen. Es ist wichtig auch verschiedene Tiere zu zeigen, damit die Leute mal eine konkrete Vorstellung von der Mischung aus Pferd und Esel bekommen. Die Lust, doch mal ein Maultier zu reiten, war bei vielen da und bei anderen ist sie geweckt worden. Diesmal gab es wenig BesucherInnen am Stand, die selber ein Muli haben. Vor allem für mein Verhältnis zu Merle war die Messe ein vertiefendes Erlebnis. Heute auf der Koppel waren die zwei wieder ganz erholt und normal 😉
Wir werden weiter so Werbung für die liebenswerten Dickschädel machen!Maultier als Fotomodell

 

 

 

 

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

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