Eisiges Maultier

Brauchen meine Muli Decken?

Es ist kalt auf der Alb, ja sogar ziemlich ganz in ganz Deutschland ist es jetzt im Januar Winter. Und schon wimmelt es in den Foren, Zeitschriften und bei facebook von Fragen und Tipps zur richtigen Decken für das Pferd, Pony oder auch Muli. Da frag ich mich doch glatt: „Brauchen meine Muli Decken?“

Die armen Tiere

Als ich mein erstes Pferd vor über 25 Jahren kaufte, war es keine Frage: zur Grundausstattung gehörte natürlich eine Pferdedecke. Ich hab sie immer noch! Und sie ist in der Zeit auch bestimmt schon 4 mal auf einem Pferd gewesen (als Sammy, mein Pferd, im ersten Jahr mal hoch Fieber hatte) 😮
Meine armen Pferde und Muli mußten immer ohne Decke auskommen – und das auf der rauen Alb!

Kälte

Maultier eingeschneit
Auch im Schnee ohne Decke gut isoliert!

Bei uns ist es gerade sehr kalt (meist so 5 – 15 Grad minus!), aber auch sehr trocken. Da haben die Tiere gar kein Problem damit. Das Winterfell ist wunderbar dicht und schützt sie vor der Kälte. Kein Tier steht da und zittert. Die Kälte animiert die Maultiere ein bißcen mehr zum Spielen, aber auch als das Thermometer unter 20 Grad minus sank, hatte keiner Probleme. Nur ich muß aufpassen, daß das Wasser im Offenstall nicht einfriert. Die Isolation kann man gut beobachten, wenn Schnee fällt. Der bleibt nämlich auf dem Fell liegen ohne zu schmelzen. So ein Mulifell ist besser als Funktionskleidung.
Die Maultiere haben auch einen wesentlichen Vorteil gegenüber uns. Sie haben weniger Volumen im Vergleich zur Masse – sprich einfach viel weniger „Außenwände“, d.h.sie haben weniger Kontakt mit der kalten Außenluft.
Geschoren sind meine Tiere übrigens auch nicht, denn ein ordentliches Winterfell gehört zum Winter.

Ein schon älteres Video im Schneetreiben:

Und noch eins von der spielenden Herde im Schnee:

Regen

Die Funktion des Pferdefells und auch des Mulifells ist so super, daß der Regen oberflächig abgeleitet wird und die Unterwolle nicht nass wird. Sogar der schmale Alfred , mein spanisches, altes Muli, nässte auch im Dauerregen nicht durch! Einfach klasse gemacht!
Mach doch einfach mal den Test im nassen Winterfell: mit dem Finger die nassen Haare auf Seite schieben und fühlen, ob die Unterwolle trocken ist.

Klar: Dauerregen und Wind bringen die Tiere auch zum Schlottern! Aber dann sollte ich vielleicht überlegen, ob die Haltung so stimmt. Ein geschützter Platz, am besten auch überdacht für die Tiere gehört für mich zu einer ordentlichen Haltung dazu.
Erschreckend finde ich, daß sogar in supertollen Aktivlaufställen nun immer mehr Bilder von bedeckten Pferden auftauchen.

Nassgeschwitzt unter die Decke?

Noch ein Thema: aber nassgeschwitzte Tiere müssen eingedeckt werden!
O ja, daß kenne ich bei den Muli nur zu gut: die Jungs spielen wild miteinander rum und sind auch im Winter dann durch und durch nass geschwitzt (und das bei -10 Grad, wie gestern!). Die Tiere laufen sich dann auch nicht trocken, sondern stehen rum und erholen sich vom anstrendenden Spiel. Die gleiche Beobachtung machte ich bei meinem zweiten Haflinger, der als Junghengst mit anderen zusammen auch erst wild gespielt und dann naß geschwitzt einfach in einer windgeschützten Ecke geruht hat.
Eine Decke bekommen sie dann auch nicht drauf (ich hab ja auch nur die eine, alte). Wäre mir in der Mulilherde auch zu gefährlich, weil da ja alles untersucht und auf die Bißfestigkeit untersucht wird.
Heute morgen waren alle wilden Spieler wieder trocken und putzmunter 😉
Aber wie gesagt: meine Tiere können im Offenstall alle ein windgeschütztes Ruheplätzchen finden!

Putzfaul?

Matschmuli zum Glück ohne störende Decken
Besonders im Frühling ein sehr beliebtes Outfit – ganz ohne Decke

Es gibt ja manche ReiterInnen, die ihre Tiere eindecken, damit sie sich nicht so dreckig machen. Natürlich ist es manchmal ärgerlich, wenn die Muli dick verkrustet mit Dreck sind oder sich ausgerechnet einen Kothaufen als Liegeplatz ausgewählt haben. Aber eigentlich ist das Putzen ja auch eine Pflegezeit, die ich ungerne misse und meine Tiere genießen es – das Putzen und das Wälzen!
Wenn die Zeit mal knapp ist, reicht vor dem Reiten ja die Sattel- und Gurtlage 😉

Mit Decke spart man auch nur bedingt Zeit (und erst recht kein Geld), denn dafür muß man dann die Decken waschen und trocknen. Das geht ja gar nicht so einfach bei der Größe und dem Gewicht!
Und eine Decke unter der das Pferd tagelang eingepackt ist, kann ich mir auch nicht so gesund vorstellen.  Luft, Sonne, Regen und Wind auf dem Fell dafür ist auch das Muli ausgestattet!

Doch Decken!

Da fällt mir ja gerade noch ein: ich hab ja doch Decken 😮 !
Bei knackigen Minustmeperaturen und Schnee hätte ich sie fast vergessen.

Ekzemermaultier mit Decke
Mit der Ekzemerdecke kann Afra auchim Sommer auf die Koppel

Im Sommer nutze ich Fliegendecken gegen die Bremsenplage beim Reiten. In ihrer Freizeit lasse ich sie dann im Sommer morgens ganz früh auf die Weide und hol sie wieder in den Offenstall, wenn die Insekten zu lästig werden. Dort haben wir weniger Probleme damit, da die Schwalben eifrige Jäger sind.
Nur Afra, die Ekzemerin ist, trägt auf der Koppel im Sommer die Decke. Auf der einen Seite ist das gut, weil sie sich dann weniger kratzt. Auf der anderen Seite verhindert die Decke aber auch den Genuß beim Wälzen. Darum halte ich auch da die Deckenzeiten möglichst knapp.

Platz in der Sattelkammer

Wenn ich mir vorstelle, wieviel Platz ich in der Sattelkammer bräuchte, um die Decken für alle 19 Tiere zu lagern! Zum Glück sind die Fliegendecken nicht so voluminös 🙂 Abgesehen davon, daß das Waschen und trocken auch ganz schön aufwendig ist, bin ich dann doch recht froh, daß auch die Muli mit dem tollen Fell ihres pferdischen Elternteils ausgestattet sind.

So ist meine Gedanken zum Thema Decken. In „Natura“ gefallen mir die Maultiere (und meine Pferde) einfach am besten.

Einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema fand ich auch hier:
Thermoregulation-was  ist das?

Ich freu mich wie immer über Kommentare und Diskussionen.

 

 

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

4 Gedanken zu „Brauchen meine Muli Decken?“

  1. Wie immer eine schön natürliche Einstellung, liebe Julia! …. aber was mach ich jetzt mit meiner Decke, die ich gekauft aber noch nie benutzt habe (und nach diesem Blog mir auch sicher bin, daß sie wohl weiter nur rumliegen wird)…. Vielleicht als Picknickdecke umfunktionieren, oder für die Kinder wenn sie sich ein Lägerle im Heu bauen!

    1. Genau! Irgendeine Verwendung findet sich für die Pferde- bzw. Mulidecke.
      Die einzige sinnvolle Verwendung könnte mal bei einer Verletzung oder Krankheit sein, was ich Deinem Muli aber natürlich nicht wünsche!
      Alles Gute Euch!

  2. Was Julia schreibt, gilt ohne Einschränkung auch für Pferde! Nur Esel sind aufgrund eines etwas anderen Fells nässeempfindlicher! Mit trockener Kälte kommen die „Muli-Papas“ aber genau so gut klar wie Pferde und Muli!
    Wir decken nur auf Winterwanderritten nachts ein, weil wir glauben, dass ein Equidenrücken, auf dem ca. 6 Stündchen ein Sattel lag, etwas Schutz braucht, genau wissen wir das aber nicht.
    Prima und sehr zutreffend geschrieben, Julia!

    1. Ich stimme Dir ebenso zu 🙂
      Bi den Winterwanderritten decke ich nachts auch nicht ein, aber dann stehen meine Tiere auch in einem trockenen Stall. Zur Anfangszeit meines Betriebes hatte ich für die Jahreszeit auch mal 2 Decken gekauft. Sie aber nie benutzt und dann verkauft an einen Bekannten, der daraus Bockdecken zum Kutschefahren und Pfeilsäcke machen wollte. Was die Mulis dann auf jeden Fall genießen ist die Möglichkeit, sich ausgiebig im Trockenen zu wälzen.

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