Maultierzweisamkeit

Eingewöhnung in die Herde mit Überraschung Teil 1

Zwei Maultierneulinge

Mein Team der Wanderreitpferde ist ja schon ziemlich alt. Da habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen, noch nach einem neuen Teammitglied Ausschau zu halten.  Obwohl ich auch Pferdeanzeigen durchstöbert habe, fiel die Wahl dann doch auf  Maultiere.  Was erst nach einer weiten Reise nach Frankreich aussah, wurde schneller, als ich gedacht hatte, dann doch eine wesentlich kürzere Anfahrt. Interessanterweise wurden plötzlich einige große Maultiere angeboten. So sind gleich zwei neue Maultiere sind nun in mein Team eingezogen. Die beiden kannten sich aber vorher nicht.

Johann Rednex

Schimmelmaultier

Johann (eigentlich Rednex) ist ein Schimmelmuli mit unbekannten Eltern. Mit 148 cm Stockmaß und ziemlich pferdischem Körper könnte er fast als Pferd durchgehen. Von ruhigem, gelassenen Muli ist bei dem ca. 16 Jahre altem Wallach nichts zu merken. Er ist flott, aber auch aufgeregt und dabei auch ein bißchen trampelig gegenüber Menschen. Das waren auch unter anderem die Gründe, warum er abgegeben wurde.
Eigentlich ist er ein netter Kerl, aber eben alles andere als ein ruhiges Muli aus dem Bilderbuch. Er lernt sehr schnell und ich bin gespannt, wie er sich bei mir macht. In früheren Zeiten soll er mal eingeritten worden sein. Mal sehen, was wir da an Kenntnissen noch ausbuddeln können.

In den anderthalb Wochen ist er aber schon sehr anhänglich geworden. Ein paar grundsätzliche Dinge hat er schon mal gelernt:

  • bevor es auf die Weide geht, wird das Halfter angezogen
  • man kann manierlich mit dem Menschen am langen Strick laufen
  • natürlich sind Anhalteübungen „Warte“  Programm (Mulis wollen einfach nicht gerne warten, erst recht nicht ein aufgeregter Johann)
  • zum Menschen kommen ist super, denn da gibt es immer ausgiebige Krauleinheiten an den Lieblingsstellen
  • es passieren komische Sachen, die aber gar nicht so schlimm sind: so hatte er jetzt schon einen Sattel zum Testen auf seinem Rücken 🙂

Hier noch ein kleines Video zur ersten Kommunikationübungen mit Johann (da war Nele noch nicht da):

Nele

Maultier Nele
Ganz schön kräftig ist die Mulistute Nele

Nele (in den Papieren steht Nelly) ist eine gerittene und gefahrene, sehr kräftige Stute mit 146 cm Stockmaß. Inzwischen ist sie 10 Jahre, aber seit sie 2 Jahre alt ist, hab ich immer mal wieder was von ihr gehört, denn sie war auch mal hier in der Gegend zuhause. So weit ich weiß, soll sie ein Haflingermuli sein. Sie war immer zusammen mit einer gleichaltrigen, etwas kleineren Stute und stand auch immer nur mit ihr als Gespann zum Verkauf. Jetzt ist sie bei mir gelandet, nachdem ich mit ihr einen kleinen Traum verwirklicht habe. Ich wollte nämlich mal in den Bergen reiten. Ein kleines Ründchen auf ihr habe ich in Östereich gemacht und war sehr angetan von ihrem Wesen und wie sie sich reiten ließ. Reiten, führen und putzen – alles super!
Sie kam ein paar Tage später nach Johann bei mir an.

Maultier Nele

Boxenhaft

Es klingt nach einem bösen Wort, ist m.E. aber für ein paar Tage zur Eingewöhnung von Mulis legitim.
Die ersten Tage sind die Mulis in Einzelboxen untergebracht. Je nach Möglichkeit kommen sie dann tagsüber entweder auf den eingezäunten Putzplatz im Auslauf der Herde oder auf die kleine Koppel zusammen mit den Opas aus der Herde (Sammy und Alfred).
In den ersten Tagen habe ich mir viel Zeit für sie genommen. Inzwischen kenne ich die Lieblingskraulstellen und sie wissen, wie sie sich hinstellen müssen, damit ich auch richtig kraule. Die Grundlage für eine erfolgreiche Kommunikation ist so schon mal gelegt. In der Box haben sie weniger Ausweichmöglichkeit und weniger Ablenkung. Ich achte drauf, sie zu mir zu rufen und nicht primär auf sie zuzugehen. So gewöhnten sich beide schon ganz gut an die neuen Namen 🙂 Jeden Abend war Putz- und Kraulzeit!
Bei den beiden ging die Vertrauensbildung ganz schnell. Scheue Tiere brauchen da länger.
Bevor ich sie auf die Koppel lasse, will ich aber, daß sie sich von mir fangen lassen. Bei Mulis gibt es da viele Tiere, die nicht einsehen, daß sie sich fangen lassen 😮
Die Zeit in der Box neben der Herde ist auch wichtig, damit sich die Tiere an die Gegebenheiten, Geräusche, Gerüche und Abläufe in der neuen Heimat gewöhnen können. Außerdem nehmen sie dann auch immer mehr den Geruch des neuen Stalles an und stinken für die anderen nicht mehr so sehr nach „fremd“.

Kleine Koppel

Neugiere Pferde und Maultiere
Die Herde ist schon sehr neugierig, wer die zwei Neuen sind.

Zum Glück war das Wetter letzte Woche super. Die Herde konnte auf die Koppel und die Eingewöhnungsgruppe zunächst mit Johann auf die kleine Koppel daneben. Natürlich fanden es alle aus der Herde spannend, wer da denn da neues stand. Bald schon wandten sie sich aber der Alltagsbeschäftigung Fressen, Dösen und ein bißchen Spielen zu. Alle außer einem: Professor spielte den bösen schwarzen Aufpasser und patroullierte mit angelegten Ohren am Koppelzaun.

Professor droht dem Neuling
Professor droht dem Neuling

Immer wieder schoß er daran längs, wenn Johann sich dem Zaun näherte. Es wurde in den nächsten  drei Tagen etwas besser. Auch Johann wurde etwas gelassener. Er gewöhnte sich dran, erst mit seiner Gruppe in den Stall zu kommen, wenn die große Herde schon drin war.

Black and White im Streit
Gar nicht freundlich, ist Professor zum Neuling.

Nach der Ankunft von Nele konnten sie zusammen auf die Koppel mit meinen zwei Haflingern und dem alten Muli Alfred. Nele ist vom Wesen her viel ruhiger, flüchtet auch nicht so hektisch und zeigte deutlich, wenn jemand ihr zu dicht kam. Ohne Probleme ließ sie sich auch in der fremden Umgebung führen.

Kontaktaufnahme unter Mulis
Nele und Ferdinand bei der ersten Kontaktaufnahme

Aber auch Johann wurde langsam frecher und vertrieb auch schon mal den alten Alfred. War er am dritten Tag nach seiner Ankunft noch hektisch beim Führen in den Stall gewesen, konnte er nach einer Woche schon gelassen mit Kopf tief in seine Nachtbox zurücklaufen.

Schwarz-Weiß noch durch den Zaun getrennt
Johann flüchtet nicht mehr, sondern droht auch zurück.

Wie es mit der Eingewöhnung der zwei weitergeht, erfährst Du im nächsten Blogeintrag (muß ich aber noch in vernünftige Form fassen).
Falls Du Fragen zu dem Artikel hast, kannst Du gerne kommentieren oder mir eine Mail schreiben!

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

2 Gedanken zu „Eingewöhnung in die Herde mit Überraschung Teil 1“

    1. Gerne!
      Du bekommst es ja am Rande auch live mit 🙂
      Jetzt müßte ich noch die Zeit haben und weiterzuschreiben, aber das wird wohl am Wochenende nix, da ich ja schon wieder mit den Tieren auf Trekkingtour bin.
      Aber dann…

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