Merle – Klein, aber ohoooo!!!

Heute war Merle endlich mal mit einem Gast bei einer Tour dabei.  🙂 Irgendwie gab es immer Gründe, sie noch nicht mitzunehmen. Ich hab ja genug Tiere, die ich mitnehmen kann und bei denen ich „auf der sicheren Seite“ bin. Sonntag war ich allein spazieren mit  meinem kleinsten Muli Merle. Sie hat sich super brav benommen. Da hab ich beschlossen, daß es jetzt an der Zeit ist, sie mitzunehmen. Auch heute war sie absolut brav.

Meine bisher nur esel- und pferdeerfahrenen Gäste erlebten mit Merle, wie flott so ein kleines Muli unterwegs ist.
Meine bisher nur esel- und pferdeerfahrenen Gäste erlebten mit Merle, wie flott so ein kleines Muli unterwegs ist.

Natürlich hat sie eine flotte Schrittgeschwindigkeit und ich werde sie wohl zunächst nur bei flotten Gruppen einsetzen, aber sie steh inzwischen auch ordentlich.

 

Immer aufmerksam nimmt sie die neue Gegend auf der Tour wahr.
Immer aufmerksam nimmt sie die neue Gegend auf der Tour wahr.

Ich will Dir aber nach und nach auch die einzelnen meiner Tiere vorstellen. Jedes Muli hat nämlich eine ausgeprägte individuelle Persönlichkeit. Zu meiner Bubble hab ich ja schon was geschrieben. 😉

Merle ist mein Steifftier. Angehaucht im Katalog von Steiff, muß sie wohl da raus gesprungen sein. Einfach ein ganz süßes kleines Muli. Ungefähr 110 cm groß oder besser: klein ist sie. Aber man darf sie nicht unterschätzen!

Kleines Langohr

Vor guten 6 Jahren kam sie zu mir. Eigentlich wollte ich ja große Mulis. Aber wie so oft wurde mir mal wieder ein kleines Muli angeboten, das einfach unterfordert war (oder die Besitzer überfordert 😉 ). Da ich sowieso in die Richtung fahren mußte, bin ich halt mal wieder Muli-gucken gefahren. Gefährlich ist sowas, denn zu leicht erliege ich dem Charme und dem Reiz der Mulis – noch dazu so einer Knuddeltante.

Was ich mir da mit dem Hänger geholt hatte, war ein ganz schön freches, dem Menschen gegenüber ziemlich respektloses kleines Langohr. Klar, das Schicksal vieler Ponies trifft natürlich auch die Ponymulis. Sie sind einfach zu süß, um konsequent erzogen zu werden. Irgendwann geht es dann nicht mehr. Sie reißen sich los und haben ziemlich viel Blödsinn im Kopf.

Im Gegensatz zu den kleineren Mulis, die vor ihr bei mir eingezogen waren, mangelt es Merle nicht an Vertrauen und auch nicht an Selbstvertrauen. Sie ist eher distanzlos zu den Menschen und fordert Beachtung mit energischen Anstubsen ein. Gerne drängelt sie sich in den Mittelpunkt. Eine richtige kleine Madame!

Merle auf der Koppel

In der Herde mußte sie lernen, daß es nicht immer nach ihrem Kopf geht und daß sie auch mal warten muß. Da bin ich sehr froh, daß die anderen Pferde und Mulis bei der Erziehung mithelfen. Einiges mußte sie da vor allem in den ersten Wochen einstecken. Ich glaube nicht, daß es ihr geschadet hat.

Ihr „größten“ Freundinnen sind meine zwei Shettystuten Gina und Tigra. Mit ihnen steht sie viel zusammen. Vor ihnen hat sie auch Respekt. Die beiden sind an ihrer Erziehung maßgeblich beteiligt.
Allerdings ist sie auch ziemlich verliebt in Navajo, meinen Norweger-Welsh Wallach (150 cm Stockmaß). Wenn sie rossig ist, bezirzt sie ihn solange, bis er schließlich aufreitet. Gut daß sie nicht im Internet vom zulässigen Höchstgewicht der ReiterInnen gelesen hat 😉 Übrigens streift er dann noch nicht mit den Hufen am Boden.

Maultier Merle mit ihren Ponyfreundinnen Gina und Tigra

An sich ist Merle ein Muli, daß für fast allen Quatsch zu haben und ziemlich fruchtlos ist. Nachdem sie die Grundlagen des Geführtwerdens (Folgen, Stehenbleiben, Rückwärts, Seitwärts und Kurven am durchhängende Strick) gelernt hatte, hab ich sie mit auf die Messe nach Stuttgart und nach Friedrichshafen mitgenommen. Auch dieses Jahr sind wir wieder bei der Pferd Bodensee. Da sie eher hyperaktiv als ängstlich ist, sind die Messen eine tolle Sache für sie. Viele Menschen findet sie prima. Auch am dritten Messetag genießt sie immer noch die Streicheleinheiten der BesucherInnen. Schon lustig die Reaktionen der MessebesucherInnen, wenn da plötzlich ein Schild am Paddock hängt „Bitte streicheln!“
Die Messetage sind bisher auch immer die intensivsten Tage der Zusammenarbeit gewesen. Zwischendurch gehen wir immer Messe angucken. So bekommt sie Bewegung, macht Werbung für coole Mulis und zaubert den Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Allerdings fordern diese Spaziergänge im Trubel auch meine volle Aufmerksamkeit, denn ein auf der Mese abgehauenes Maultier wäre eine schlechte Aktion.

Bodenübungen sind kein Problem

Als ich für einen Artikel Bodenarbeitsbilder mit den Ponys brauchte, konnte ich auch Merle schnell dafür gewinnen. Ihr Problem ist sicher nicht die Schreckhaftigkeit, sondern die Ungeduld und die Neugier. Beschäftigung ist angesagt und da kommt sie ziemlich nach dem Muttertier (Ponys sind auch meistens unter- und nicht überfordert). Bei Bodenarbeitskursen ist sie schon ein paar Mal dabei gewesen. Sie lehrt die Menschen schnell und exakt in ihren Zielen und Anweisungen zu werden. Ansonsten geht sie ziemlich schnell mit den Menschen spazieren.
Bei den Trainings für Führungskräfte kann man an ihr wunderbar verdeutlichen, daß man die Individuen nicht zu schnell nach ihrem Äußeren beurteilen sollte 😉 . Das Tolle  ist ja inzwischen, daß sie sehr gut und fein folgt, wenn man klare Anweisungen gibt.

Mit Maultier Merle unterwegs

Wie bei allen Mulis ruft Dauerzug am Strick bei ihr schnell das Gegenziehen hervor. Wenn der Mensch sich dann dagegen stemmt, ist sie ruckizucki in der Führungsposition mit ihrer Schulter vor der Schulter des Menschen. Dann noch ein bißchen den Halssteif machen (und das können Mulis wie Esel besonders gut) und der Mensch hat keine Chance mehr.

Maultier Merle

Oft werde ich gefragt, was ich anders mache. Es ist nicht einfach, daß in Worte zu fassen. Es ist zum einen die Aufmerksamkeit. Ich habe Merle immer im Auge. In den meisten Fällen korrigiere ich meine Position bevor Merle in Führungsposition geht. Anstatt auf Dauerzug zu gehen, arbeite ich mit kleinen Impulsen am Strick. Je nachdem können diese Impulse auch mal kräftiger ausfallen, wenn Madame Merle die Ohren auf Durchzug gestellt hat! Ich vergesse nicht, was ich von dem Muli wollte. Verlässlichkeit und Klarheit sind da wichtige Begriffe in der Zusammenarbeit, Wer erst Hü und dann doch Hott sagt, ist ein schlechter Chef für die Maultiere. Ich belohne jedes Folgen des Tieres damit, daß der Strick durchhängt. Nur selten ziehe ich am Strick. Zum Vorwärtstreiben nutze ich den Antrieb hinten (z.B. durch einen leichten Klaps auf den Hintern mit dem Strickende).

Merle geht ohne Problem auch ins Wasser
Merle geht ohne Problem auch ins Wasser

Das macht die Zusammenarbeit auch so anstrengend: man muß imer aufmerksam sein. Aber ich bin überzeugt, daß Merle nun eine gute Grundlage hat. So kann ich sie auch im Gelände anderen Menschen in die Hand drücken. Sicher nicht jedem und jeder, aber ich finde, wir sind auf einem guten Weg zu einem verlässlichen, bravem Muli. Wenn sie erst 20 ist, ist sie sicher ein kleines Supermuli 😉

 

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Wenn Du Fragen hast zu Merle, kannst Du gerne schreiben!

Hier außerdem noch 3 Videos von unserem Youtube Kanal „Mulitier“ mit Merle:

Kleiner Ausschnitt aus unserem Spaziergang am Sonntag:
https://youtu.be/PaZrXvGiPfw

Putzen im Schnellverfahren :
https://youtu.be/fBvuG7BKOvk

Trail an der Hand:
https://youtu.be/kiJtaSszLNU

 

 

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

2 Gedanken zu „Merle – Klein, aber ohoooo!!!“

  1. Na, dann bin ich mal gespannt, ob auch mich die kleine Merle beim Bodenkurs im März herausfordern wird 😉
    Sehr schöner Blogbeitrag, liebe Julia

    1. Vielen Dank, Heidi!
      Erinner mich im März auch dran, daß ich Dir die kleine Frechmadame gebe. Bis dahin ist sie wahrscheinlich schon total brav und ruhig 😉

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