Maultier putzen

Muliputzen – mehr als Saubermachen!

Vor jedem Ritt putze ich natürlich mein Muli. Aber dieses Putzen ist mehr als nur Saubermachen!

Jetzt im Frühjahr sind auch die Maultiere im Fellwechsel und da genießen sie das Putzen sehr.  Nachdem sie sich im Dreck gewälzt haben, ist das Putzen natürlich  besonders effektiv 😉
Allerdings heißt das beim Putzen auch: „Mund zu“, denn die Haare finden immer den Weg Richtung Mund, und „Muli sauber, Mensch eingestaubt!“ Aber das Putzen ist ja mehr als nur Saubermachen!

Jedes Putzen ist für mich auch Kontrolle: welche Stellen sind besonders angenehme, welche sind eher unangenehm. Bei sehr scheuen Tieren vor allem werden natürlich die angenehmen Stellen besonders gründlich geputzt. Bei Ferdinand war es ein großer Schritt, als er angefangen hat zu zeigen, wo ihm das Putzen besonders gefällt. Ferdinand hielt ja zu Anfang die Luft an, wenn man ihn berührte und erstarrte zur Salzsäule. Das änderte sich im Laufe der Zeit, als er merkte, dass er mit mir „schwätzen“ kann und sagen kann, wo es ihm besonders angenehm ist. Ein leichtes Zucken der Oberlippe und einleichtes Entgegenlehnen waren die ersten Hinweise, dass er beginnt zu genießen. Ein Video von diesem Anfängen gibt es hier:

Es gibt ein paar Stellen, die bei den meisten Maultieren gleich sind:

Neutralste Stelle zum Kraulen und Putzen ist kurz unterhalb des Widerristes.

Viele Maultiere lieben ein kräftiges Putzen direkt vor dem Schulterblatt.

An der Stirn rubbeln und über die Augen streichen bis hin dazu, dass das Maultier seinen Kopf ganz in unseren Arme versenkt, sind schon ein gutes Zeichen von Vertrautheit. Pablo mag das z.B. sehr. Betty, eine Ponymaultierstute, die leider nicht mehr bei mir ist, warganz anders. Sie hat aber sehr lange gebraucht, bis ich sie am Kopf anfassen konnte. Kaum einer kann sich aber dem Zauber entziehen, wenn Elli mit ihrer sanften Schnauze auch ganz vorsichtig unser Gesicht abtastet.

MaultierkraulenViele Mulis lieben auch das Ausstreichen und Putzen der Ohren. Genüsslich senken sie den Kopf und lassen die Ohren von innen und außen behandeln – ein Zeichen besonderen Vertrauens zum Menschen. Aber es gibt auch das andere: Rosalie mag meist nicht gerne an den Ohren angefasst werden. Das akzeptiere ich dann auch, wenn es nicht unbedingt notwenig ist, sie dort anzufassen.

Die Unterseite vom Hals und die Brust können eine weitere Lieblingsstelle sein. Afra ist hier sehr empfänglich. Vor allem im Sommer, wenn die Kribbelmücken in den Brusthaarwirbel beißen, mag sie es dort gekrault und gebürstet zu werden.

Zwischen den Hinterbeinen juckt es jetzt im Fellwechsel auch besonders. Allerdings muß man da sehr aufpassen. Ferdinand flüchtete zu Anfang, wenn man ihn hinten berührte. Rosalie und Bubble sind da tagesformabhängig sehr kitzelig und würden dann auch ausschlagen. Merle, Mala und Lukas dagegen strecken einem direkt das HintertEil entgegen, wenn sie merken, dass man kraulen möchte. Da können sie auch ganz schön fordernd sein 😉

Super ist das Wissen um die Lieblingskraulstellen z.B. in stressigen Situationen zur Beruhigung und zum Loben, wenn sie etwas gut gemacht haben.

Ich binde meine Tiere übrigens zum Putzen immer an. Selbst, wenn das nicht nötig ist, weil sie stehen bleiben, ist das schon eine Übung, die ich später beim Wandern und Reiten gut gebrauchen kann. Angebunden sein heißt für meine Tiere: angenehme Pause zum Ausruhen und Wohlfühlen. Zu Beginn ist die Zeit des Angebunden sein natürlich kurz. Wird dann verlängert und ich gehe auch schon mal weg, z.B. um etwas aus der Sattelkammer zu holen.
Ziel ist es, dass ich meine Muli überall anbinden kann, sie in den „Stand-by“ Modus fallen und ich in Ruhe andere Dinge erledigen kann (z.B. einkaufen, fotografieren, essen gehen). Natürlich guck ich dann auch immer wieder nach dem Tier 😉
Für Merle war das eine erste Übung zum Thema „Warte“. Die kleine Mulinette hat viel zuviel Power um stillzustehen. Da sie es liebt, geputzt zu werden, hat sie sich inzwischen gut daran gewöhnt.

Außer dem Putzen berühre ich meine Tiere auch immer wieder, wenn ich im Stall bin: beim morgendlichen Begrüßen, beim durch den Stall gehen oder beim Misten. Ein kurzes Streicheln über die Stirn oder ein mit der Hand über die Hinterhand Fahren gewöhnt auch die scheuen Tiere daran berührt zu werden. Da hab ich natürlich den Vorteil, dass ich doch recht viel Zeit bei den Tieren verbringe, schon allein weil ich ja morgens und abends miste ;-).

In der Gruppenhaltung ist das Putzen auch wichtig zur Kontrolle auf Verletzungen. Vor allem bei dem zum Teil recht wüsten Spiel der Maultierwallache gibt es immer mal wieder Schrammen, die versorgt werden müssen.Maultierputz

Immer wieder putze ich deshalb auch meine nicht gerittenen Mulis. Es ist einfach eine intime Zeit, die wir dann miteinander verbringen. Leider ist der Tag dafür oft zu kurz. Aber auch wenn es nur ein paar Minuten Zeit sind, den Mulis, der Beziehung zwischen uns und auch mir tut es gut 😉

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

3 Gedanken zu „Muliputzen – mehr als Saubermachen!“

  1. Sehr schöner und interessanter Beitrag. Offenbar gibt es auch unter Mulis wahre Wellness-Freaks.
    Und die „Mulinette“ gefällt mir auch sehr gut 🙂

  2. Hallo julia

    Schöner artikel, zeigt wie unterschiedlich sie doch sind.

    Habe ein pony-maultier, ist schon älter ca 17jahre alt, und der findet angefasst werden, eher doof, er wird ärgerlich, schweifnet genervt, versucht zu teilweise zu beissen, hat auch schon gedroht zu tretten. Er ist noch nicht lange bei mir, erst ca 3-4monate.
    Habe versucht am widerrist freundschaft zu schliessen, und seine guten stellen zu finden. Komme nicht recht voran, wenn ich ihn anbinde fängt er an zu weben, lasse ich ihn frei oder halte den Strick in der hand und lasse in „driven“, läuft er weg, oder er versucht mit seinem hinterteil zu drohen…
    Hast du ev tipps für mich, brauche neue ansätze.
    Lg martina

    1. Hallo Martina,
      das kenne ich nur zu gut. Zur Zeit bin ich ziemlich verwöhnt, denn alle Tieren sind über die von Dir beschriebene Phase hinweg oder waren gar nicht drin 🙂
      Auch Rosalie war lange Zeit öfter genervt vom Putzen, als daß sie es genossen hat. Über mehrere Wochen habe ich sie jetzt immer wieder am Widerrist gekrault und siehe da: inzwischen fordert sie das Kraulen ein! Allerdings hab ich natrülich zwei wesentliche Vorteile gegenüber den meisten Mulimenschen: Erstens versorge ich ja meine Tiere selber, verbringe also einfach viel Zeit mit ihnen und kann beim Misten mal kurz kraulen. Zweitens gucken die Tiere natürlich voneinander ab und der Putzplatz ist ein abgetrenntes Stück im Auslauf.
      Aber nun zu Deinem Muli. Erstens braucht es lange Zeit, Monate oder auch Jahre bis sich schlechte Erfahrungen oder auch Erwartungen von schlechten Erfahrungen abbauen. Professor ist jetzt nach sechs Jahren richtig zutraulich! Also wünsche ich Dir einen langen Atem! Um so mehr wert ist es dann, wenn so ein Tier dann die Nähe des Menschen genießt!
      Zum anderen heißt es dranbleiben, die Einheiten kurz zu wählen (also 2-3 Minuten!), verschiedenes Putzzeug und unterschiedlichen Druck auszuprobieren und auf seine Reaktionen zu achten.
      Manchmal ist es gut, mit Riten zu arbeiten. Also jedes Mal: Du kommst zu ihm, bindest ihn an, putzt ihn oberflächlich (die Stellen, die er halbwegs akzeptiert) und machst ihn wieder los. Dein Ziel im Kopf ist nur diese kleine Einheit, nicht mehr! Das kann er aushalten und das gehört dann einfach zu Eurer Begegnung immer dazu. Ignoriere das Weben -für zwei, drei Minuten kann er das machen. Irgendwann wirst Du merken, daß er diesen Ritus erwartet und Du kannst Dich langsam vortasten, ob ihm bestimmte Stellen doch ein bißchen gefallen. Denke aber an die Kürze der Putzeinheit und laß Dir von keinem Pferdemensch einreden, daß das jetzt aber langsam mal besser werden muß! Aber sei auch selber ein bißchen ein Maultier: beharrlich, aber nicht mit Druck!
      Bei solchen Tieren mit Druck zu arbeiten, bringt eher Gegenwehr. Später müssen sie lernen, auch das mal auszuhalten, aber davon seid Ihr noch weit entfernt.
      Darum wünsche ich Dir ja den langen Atem!
      Und verbringe einfach Zeit bei ihm, bis Du ganz zu seinem Alltag und Leben dazugehörst!
      Wäre natürlich spannend, ihn live zu eleben, dann ist es einfacher Tipps zu geben. Aber eine „Schnellheilung“ ist bei Mulis auch eher unwahrscheinlich 😉

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