Professor – ein Maultier lernt Vertrauen

Vertrauen ist eine ganz wichtige Komponente in der Zusammenarbeit mit den Maultieren. Professor ist ja schon ein paar Jahre bei mir. Er hat Glück gehabt, damals als er in Münsingen auf einer Weide mit Lamas stand und sich nur sehr schlecht fangen ließ. Glück, weil es Winterzeit war und ich Zeit hatte, ihn vertrauter mit mir zu machen. So konnte er zu mir und den anderen Mulis kommen.
Die Jahre gehen dahin und inzwischen ist er ein netter Kerl. Immer noch vorsichtig Menschen gegenüber, vor allem wenn er sie nicht kennt. Aber er braucht nicht mehr so lang, um zu netten Menschen zu kommen und arbeitet gerne mit.

Dass muss doch schneller funktionieren!

Pferdeleute würden jetzt vielleicht sagen: „oje, der wird ja immer noch nicht geritten!“ Und: „das muß ja viel schneller funktionieren!“ Und: „Der ist ja inzwischen schon zu alt, um noch zu lernen!“
Aber es ist so: Mulis, deren Grundvertrauen in die Menschen kaputt gegangen ist, brauchen lange Zeit und viele kleine Schritte. Dessen sollte sich auch jede/r bewußt sein, wenn er oder sie so ein Tier übernimmt.
Ich will es mir leisten, den Tieren, die zu mir gekommen sind, einen Platz zu bieten, auch wenn sie (noch) nicht für den Betrieb funktionieren (außer um zu zeigen, wie scheue Mulis sein können 😉 ).
Klar, wenn ich jetzt den Betrieb nicht „nebenher“ hätte, eine geregelte Arbeitswoche mit freien Tagen und Urlaub hätte, würde ich schneller vorankommen, aber so ist es nicht. Die Arbeit mit den scheueren Mulis muß in meinem Alltag irgendwann nebenher laufen. Kleine Übungen zwichendurch und hin und wieder mit ins Gelände auf einen Spaziergang, bei einer Ponyreitstunde oder als Handmuli mit auf einen kurzen Ritt war und ist unser Pogramm.  Nicht zu vergessen auch die Streicheleinheiten zwischendurch, die ihn immer wieder vergewissern: ich kann dem Menschen vertrauen!

Maultierspiel
Schimmelmuli Johann und Rappmuli Professor beim Spiel auf der Koppel

Außerdem kann Professor sich in der Herde mit vielen anderen Mulis  austoben und beschäftigen. Das ist schon mal ein wesentlicher Punkt, daß er ausgeglichener, gelassener und auch zufriedener mit sich und der Umwelt ist.

Kurze Arbeitszeiten

Spaß mit Maultier          Spaß mit Professor

Immer mal wieder darf er auch bei Bodenkursen oder Führungstrainings dabei sein. Inzwischen ist er da auch gelassener und will nicht so schnell wieder weg von den Fremden. Er erzieht ganz gut dazu, sich ihm zurückhalten zu nähern und läuft am liebsten hinter den Menschen, die er nicht kennt.
Wenn er sich aber schon ein bißchen an den Menschen gewöhnt hat, wird er sehr schnell sehr schmusig 🙂

Toll ist, daß seit ein paar Wochen sich eine Reitschülerin von mir, um Profi (Kurzform von Professor) kümmert. Ein paar Mal die Woche einfach laufen mit ihm oder Bodenarbeit machen.  So hat Profi nochmal eine Bezugsperson. 🙂

Hier ein kleines Video:

Vertrauen will erarbeitet werden

Das Vertrauen eines zu Anfang so scheuen und dem Menschen gegenüber erst mal mißtrauischen Tieres zu gewinnen, ist ein ganz besonderes Geschenk! Und Mulis sind da einfach toll, weil sie dann die Nähe ihres Menschen suchen, sehr gerne kuscheln und eine große Bereitschaft zur Mitarbeit haben.

Es werden ja immer wieder Maultiere angeboten. Oft wird dann gesagt: sie sind ganz lieb! Aber dann kommt raus: Sie lassen sich nicht fangen! Hufe geben ist gar nicht drin! Oh, beim Führen reißen sie sich los! Das können ganz tolle Begleiter werden, aber es ist ganz, ganz , ganz viel Arbeit ud braucht Zeit und Durchhaltevermögen. Deshalb sollte man sich die Anschaffung eines solchen Mulis gut überlegen. Dann wird man reich beschenkt!

Für Profi steht diesen Sommer mal eine größere Tour an. Ich bin gespannt, wie er sich macht 😉

Wenn Du Professor und die anderen Maultiere live erleben willst, findest Du unser Programm unter www.Albmuli.de

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

5 Gedanken zu „Professor – ein Maultier lernt Vertrauen“

  1. Hallo, ich bin immer wieder ganz begeistert von Ihren Erfahrungen mit den Mulis zu lesen. Heute habe ich mit der Mulistute Luna das erste mal im Roundpan arbeiten können. Über viele Wochen haben wir uns den Weg dorthin erarbeitet. Es grüßen herzlichst Andrea und Luna

      1. Ja vertrauen muss man sich erarbeiten, vertrauen bekommt man nicht einfach so geschenkt, nur weil man ein leckerlie hin hält, dies haben mir meine maultiere mehr wie deutlich gezeigt, ruby aus schlechter haltung gerettet, hat sich ein jahr lang strickt geweigert ihre herde zu verlassen, quitte von der bundeswehr brauchte auch fast ein jahr um wirklich bei mir anzukommen, um sich sicher zu sein dass ich auch morgen noch für sie die bezugsperson bin, und sie sich nicht wieder auf einen neuen menschen einstellen muss. Nachdem das vertrauen hergestellt gewesen ist wäre ruby für mich durchs feuer gelaufen, und auf quitte ist zu jeder zeit verlass, solange man in ihren augen nicht so unsinnige arbeit wie longieren von ihr möchte.

  2. Ist der Blog eigentlich eingeschlafen?
    Auch wenn ich mich bislang nicht beteiligt habe und nichts kommentiert habe, habe ich die Beiträge sehr gerne gelesen …

    1. Ne, eingeschlafen ist der Blog nicht, aber ich bin noch so viel unterwegs, daß ich kaum zum Schreiben komme. Der bericht vom Donauritt im August/ Septmeber steht noch aus. Die Bilder sind immerhin schon sortiert ;-). Und die Knobeleien um die Programmgestaltung 2017 beschäftigen mich auch (das Programm ist ja schon auf http://www.Albmuli.de zu finden). Da kommen nun Anmeldungen und Extrawünsche.
      Außerdem sind natürlich neben dem Alltagsgeschäft auch vor allem Dinky und Johann immer wieder in kleinen Ausbildungseinheiten unterwegs mit mir.
      Viel zu wenig Zeit also!!
      Solange muß Du einfach die Bilder auf der facebook-Seite genießen

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