Reitunterricht auf Maultieren

Gleich auf zwei Arten ungewöhnlich lernen die ReitschülerInnen bei mir das Reiten: erstens sind wir primär im Gelände unterwegs und zweitens gibt es zwar auch ein paar Schulpferde, aber doch wesentlich mehr Schulmaultiere.
Für diejenigen, die bei mir reiten ist das ziemlich normal, aber ich erinnere mich noch gut an eine Diskussion in einem Forum, daß es doch besser sei, auf Pferden das Reiten zu lernen.

Was macht denn nun den Unterschied aus?
Um es vorweg zu sagen, genau wie bei Pferden gibt es auch bei Maultieren solche und solche. Bei mir stehen ja auch sehr unterschiedliche Typen von Mulis.
Nehmen wir als Beispiel mal Afra, von der ich gestern beim Unterricht ein paar Fotos gemacht habe.

Reitunterricht auf MaultierenAfra ist meine RitterSport-Schokolade: klein, quadratisch, praktisch, gut!

Natürlich hat Afra ihren Dickkopf und das nicht zu knapp, denn ihre Vater ist ein Esel und ihre Mutter ein Haflinger. Das bedeutet, daß sie sehr genau weiß, was sie will. Stehen bleiben und warten ist sicher nicht ihre Stärke, da muß man schon mal deutliche Hilfen geben und beweisen, daß man es ernst meint mit dem Stehenbleiben.
Positiv ist, daß sie sich ohne Probleme überall putzen lässt und die Zusammenarbeit vor allem mit Kindern genießt. Der „Kuschelfaktor“ ist bei Afra wie bei den meisten Mulis eindeutig höher als beim Pferd. Wichtig für das Vertrauen zum Reittier 🙂 .

Ihre handliche Größe (ca. 142 cm) und ihre kräftige Statur macht sie als Reittier für Kinder ebenso interessant wie auch für Erwachsene.

Beim Führen ist sie einfach, solange der Mensch einen konkreten Plan hat, was und wohin er will. Da fängt schon der Unterricht an: im Umgang mit Maultieren muß man sich noch klarer wie bei Pferden sein, was man eigentlich will. „Positiv denken“ nennt man das ja auch. Hier sind Mulis super Trainer, denn sie reagieren sehr fein auf die Körpersignale, die wir aussenden. Oft ist dem Menschen gar nicht klar, daß er kein Ziel hat, sondern nur „irgendetwas“ macht.
Auch beim Stehenbleiben ist es das Beharren darauf, daß Afra genau stehenbleibt (und eben nicht doch mal ein paar Schrittchen geht). Das überzeugt sie, daß der Mensch es tatsächlich ernst meint.
Natürlich müssen meine Mulis wie auch die Pferde relativ schnell rausfinden, was der Mensch ernst meint und was nicht. Schließlich werden sie ja von sehr unterschiedlichen Menschen geritten. Im Zweifelsfall orientieren sie sich auch an meinen Kommandos, was vor allem bei AnfängerInnen natürlich super ist.

Afra wird mit einer Wassertrense geritten. Wie alle meine Tiere reiten wir sie mit langem Zügel, der aber für kurze Momente, wenn Zügelhilfe notwendig ist, auch kurz genommen wird. Ansonsten haben die Gewichts-, Schenkel- und Stimmhilfen den Vorrang. Darauf reagieren die Mulis auch super. Sie überprüfen ja quasi immer, ob das, was der Mensch will, sich auch im Körper widerspiegelt, also der Mensch es wirklich ernst meint. Spannend ist es immer wieder für den Menschen sich klar zu werden, ob man nicht doch den Kopf voll hat mit lauter Situationen, die man vermeiden will. So kann eine Glatteisstelle auf dem Weg dazu führen, daß ich mir Sorgen mache, daß das Muli genau dahin läuft, ob das Muli ausrutscht, ob es stürzt und ich runterfalle. Für den sicheren Umgang mit Mulis (aber natürlich auch mit Pferden) wäre es besser, gleich eine Alternativroute zu planen und einfach um die Glatteisstelle herumzureiten. Lösungsorientiertes anstatt problemorientiertes Denken ist gefragt. Da können wir viel von den Mulis lernen 😉 . Sie halten sich nicht großartig mit Problemen auf, sondern suchen sofort nach einer Lösung!

FrühlingsgrünAuf dem Foto siehst Du Afra, wie sie das erste Grün nascht. Das ist jetzt im Vorfrühling natürlich sehr verlockend. Da heißt es schon vorher, den Weg zu planen und in der Mitte zu reiten, um Fressattacken zu vermeiden. Viel schwerer ist es, sie vom Grün wieder wegzubekommen, wenn sie schon den Belohnungshappen im Maul hat. Draußen reiten heißt immer auch, die Welt mit den Augen des Maultieres zu sehen. Da gehört dann das Wahrnehmen von Versuchungen dazu und auch die Planung des Weges.

Im Gelände üben wir natürlich auch das Lenken. Bäume als Hindernisse sind für Mensch und Tier eine gute Hilfe zum Drumherumreiten. Aber auch hier gilt, wenn ich den Weg im Kopf habe, klappt es mit den Maultieren gut. Wenn ich einfach mal drauflosreite und dann erst überlege, wohin ich überhaupt will, oder schon das Ziel im Auge habe aber den Weg vergessen habe, wird das Muli sicher einen ihm angenehmen Weg wählen (im Frühjahr bestimmt zum nächsten Grasbüschel 😉 ).

ReitunterrichtNatürlich trotten die Tiere auch hintereinander her. Dadurch, dass jedes Muli aber auch immer für sich persönlich entscheidet, ist aber auch die Aufmerksamkeit der Reitenden erforderlich. Bei AnfängerInnen laufe ich mit, denn die Tiere achten dann auch sehr auf meine Komandos. Interessant finde ich, wie sehr dabei meine Konzentration entscheidend ist. Ich merke es immer nach einer solchen Stunde, wie anstrengend das auch für mich ist.

Wesentlicher Unterschied im Reitenlernen von Pferd und Maultier ist, dass die Mulis im Trab und Galopp sehr ruhig laufen und deshalb das Sitzen den AnfängerInnen leichter fällt. Allerdings gilt das natürlich für ausgebildete Tiere! Afra macht zwar kleine Schritte, ist aber auch im Trab und Galopp sehr angenehm zu sitzen, weil die Bewegungen sehr flach sind. Der Nachteil daran: den Takt für`s Leichttraben zu finden, ist auf den Mulis schwieriger, da sie einfach weniger „hochschmeissen“.

Eine weitere Eigenart der Mulis gegenüber Pferden ist das Wippen der langen Ohren. Laufen sie zufrieden mit der Gruppe mit, schwingen dir Ohren auch locker mit. Da kann man eigentlich nur Grinsen und die Welt entspannter betrachten. Erfahrene Tiere strahlen da besonders viel Gelassenheit aus. Immer wieder sind Neulinge im Maultierreiten da ganz gebannt!
Afras Ohren in hell mit dunkler Spitze sind natürlich besonders 😉IMG_8361

Mein Resümee nach nun schon einigen Jahren Erfahrungen mit Maultieren als Schul“pferden“:
ICH WILL SIE NICHT MEHR MISSEN!
Für meine Form der Reiterei und des Umgangs mit den Equiden sind sie genau richtig! 🙂

 

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.