Mulis und Hitze

Schon einige Zeit ist seit dem letzten Artikel vergangen – ich war einfach zu iel unterwegs. Jetzt endlich ist mal kurz Zeit, ein paar Gedanken niederzuschreiben.

Die letzten Tage hat uns der Sommer ja ganz ordentliche Temperaturen über 30 Grad beschert. Was machen die Mulis da? Was macht die Hitze mit den Mulis?

Frühmorgens auf der KoppelWenn es so heiß ist und damit verbunden auch die Insektenplage ziemlich groß ist, steh ich früh auf und lasse die Herde um ca. 5 Uhr auf die Koppel und hole sie je nach Bedarf oder Witterung gegen 9.30 Uhr wieder in den Offenstallbereich.
In diesem Sommer nerven bisher vor allem die Bremsen. Dafür sind die kleinen Kribbelmücken, die so gerne in die langen Ohren gehen, gerade sehr zurückhaltend. Das freut mich vor allem für Afra, die dann ohne ihren „Schlafanzug“ = Ekzemerdecke raus kann. Gestochen werden die Tiere natürlich reichlich.  Sehen wir es positiv: es ist Aderlaß in homöopathischer Dosis (Sommerblutauffrischungskur quasi) und bestimmt stechen die Quälgeister genau auf die Meridiane und bieten kostenlose Akupunktur 😉
Insgesamt ertragen die Maultiere nach Gewöhnungszeit die Viecher mehr oder weniger gelassen.  Allerdings gehen sie bei Großangriff der Stechinsekten auch sehr gerne in den Stallbereich, denn dort sorgen die Schwalben für eine gute Dezimierung der Insekten.

Vor allem die Mulis ruhen dann aber viel im Auslaufbereich anstatt in den schattigen Stall zu gehen. Da im Auslauf ein Sägemehlplatz eingerichtet ist, liegen sie gerne auch in der größten Mittagshitze dort  und schlafen.  Zum Ruhen wählen sie den Schatten, wenn es sehr schwül ist. Trockene Hitze scheint ihnen wenig auszumachen.

Afra in der Herde beim Ruhen auf dem Sägemehlplatz
Afra in der Herde beim Ruhen auf dem Sägemehlplatz

Beim Reiten merke ich keinen Unterschied außer , daß es mir natürlich viel zu warm ist. Beim Wanderritt am letzten Wochenende haben auch die Mulis geschwitzt, was sonst eher weniger als bei den Pferden vorkommt. Allerdings war es nicht nur super heiß (38 Grad), sondern auch sehr schwül. Wir sind zwar die ganze Zeit nur Schritt gegangen, aber es gind ziemlich bergauf und bergab.

Gegen die Stechviecher tragen die Mulis Extraohrenkappen und zum Teil Fliegendecken, dann haben sie etwas mehr Ruhe. Super hilft auch ein gut platzierter Handschlag auf den Blutsaugern 😉 Nur in der Pause schmiere ich sie mit Antifliegenmittel an der Brust, unter dem Bauch und auf der Kruppe ein. Kurzfristig gibt ihnen das ein bißchen mehr Ruhe.

Pause beim Wanderritt

Das Trinkverhalten der einzelnen Tiere bei Hitze ist sehr unterschiedlich. Insgesamt trinken die Mulis aber auf jeden Fall im Durchschnitt weniger wie die Pferde (ca. 30 Liter). Afra ist eher ein Wenigtrinker und Bubble eher ein Vieltrinker. Die Mulis, die mit auf den Touren sind, zeigen sehr deutlich, wenn sie unterwegs Durst haben, denn sie nutzen jede Pfütze zum Trinken.
Auf den Ritten finde ich es nicht schlimm, wenn sie zwischendurch grasen, denn auf der wasserarmen Alb kommen wir in der Regel tagsüber außer an Pfützen an keiner Trinkstelle vorbei. So nehmen sie immer ein wenig Feuchtigkeit mit dem Futter auf.
Nach den Picknicks gibt es für die Tiere, die wollen auch noch Reste aus den Flaschen zum Trinken. Vor allem Bubble hat das Trinken aus der (Plastik-)Flasche inzwischen gut drauf. Aber auch die anderen sind zumindest beim A-Schorle inzwischen auf den Geschmack gekommen.
Wenn es so heiß ist wie am letzten Wochenende, bieten wir den Tiere auch immer morgens vorm Losreiten und abends nach der Ankunft Wasser in Eimern an. Da meine Tiere im Stall ja eine goße Schwimmertränke haben, sind sie das Trinen mit großen Schlucken gewohnt. So hab ich auch eine ganz gute Übersicht, wer wieviel getrunken hat.

Dinky und Pablo

Obwohl wir ja jetzt schon lange Sommertemperaturen haben und die Tage ja schon wieder kürzer werden,  ist bei einigen Tieren das Winterfell noch nicht ganz verschwunden. Bei Alfred liegt das sicher am Alter,  aber auch Bubble, Mala und Elli haben noch lange Haare am Bauch. Mal sehen wie es im nächsten Jahr ist  und wie das Winterfell kommt. Insgesamt präsentieren sich die Mulis jetzt aber in absolut glänzendem kurzen Fell- eine Freude die Herde in der Sonne zu sehen.

Und, was Eure Tiere bei der Hitze?

 

 

Schreck in der Abendstunde

Da bin ich beim allabendlichen Misten und plane so meine Aktivitäten, die heute abend noch anstehen (z.B. Blog schreiben) und so nebenbei fällt mir auf, daß sich Afra hinlegt.

Im Prinzip ist das nicht ungewöhnlich, daß sich die Tiere auch mal tagsüber hinlegen und schlafen, und Afra war ja heute mit bei der Trekkingtour. Außerdem war sie auch am Wochenende dabei, vielleicht ist sie einfach müde. Ich will ihr etwas Gutes tun und stelle sie in die Extrabox, wo sie ihrer Ruhe hat und auch noch ein bißchen Heu mümmeln kann.
Ein paar Minuten ist ihr das auch recht und sie frißt ein wenig. Nach 10 Minuten fängt sie allerdings an rumzuquengeln und will raus. Von Ruhen oder gar Hinlegen und Schlafen also keine Rede. Okay, dann wieder zu den anderen.

Bald legt sie sich dort wieder auf ihren angestammten Liegeplatz in der Mitte der Strohmatraze. Da schleichen sich Gedanken ein: Ist sie müde oder hat sie eine Darmkolik (also Bauchschmerzen in Folge von Darmstörungen)? Welcher Typ ist Afra? Da gibt es Tiere, die werden sehr ruhig und in sich gekehrt, und legen sich einfach nur. Andere werden unruhig, wälzen sich hin und her und schlafen mit dem Schweif.  Ist sie der Typ, der die körperlichen Symptome ( erhöhter Puls und Atmung, blasse Schleimhäute, schwitzen, Fieber) eher nicht zeigt?
Wer glaubt, ein Muli würde nie koliken, der irrt, denn natürlich kann es auch bei ihnen zu Darmstörungen kommen.

Ungewöhnlich ist, daß sie sich zur Futterzeit hinlegt. Hat sie doch Bauchschmerzen? Oder ist sie einfach nur sehr müde?

Okay, beobachten ist angesagt, denn keines der anderen typischen Symptome zeigt sie. Nur daß sie sich immer wieder legt, aber auch sofort aufsteht, wenn ein anderes Herdenmitglied kommt. Ich bin noch mit dem Beschlag bei Igor beschäftigt und gucke zwischendurch immer mal wieder in den Stall. Zwischendurch liegt Afra ganz auf der Seite und schläft scheinbar. Auch die Augen sind zu. Allerdings ist die Atmung nicht ganz ruhig wie im Tiefschlaf.

Igor ist fertig. Es ist 20 Uhr und ich entscheide Afra, Colosan zu geben (regt die Darmtätigkeit an). Beim Muli muß man natürlich gut vorbereitet sein, denn ich kenn kein Tier, daß diese Flüssigkeit gerne nimmt. Wenn wir erst in Abwehrhaltung sind, hab ich keine Chance mehr, ihr die Maulspritze zu geben. Also ganz in Ruhe 15 ml aufziehen und sorgsam darauf achten, daß ich nichts verklecker und so schon danach rieche. Dann der liegenden Afra das Halfter anziehen und sie kraulen. Dann die vor dem Stall deponierte Maulspritze holen und zur noch liegenden Afra. Wieder Kraulen und ein bißchen am Maulwinkel berühren. Sie fängt sofort an zu kauen an. Also keine Zeit mehr verlieren und schwupdiwupp von der Seite die Maulspritze in Afras Maul entleeren. Geschafft! Nochmal ausgiebig kraulen.

Dann kommt Afra auf den abgetrennten Putzplatz, denn da gibt es nichts zu fressen. Nur einen Eimer mit frischem Wasser bekommt sie. Alle Pferd- und Muliäpfel noch entfernen, damit ich sehen kann, ob sie sich entleert. Ich striegel sie nochmal drüber, was sie sehr genießt. In ihrem Bauch gluggert es an verschiedenen Stellen wie verrückt, daß ist schon mal ein besseres Geräusch wie Totenstille im Darm.

Stall fertig machen und nach einem Kontrollgang erst mal ins Büro.

Um 22 Uhr gehe ich dann noch mal runter und gucke nach Afra. Sie hat ausgiebig gekackt und läuft ganz munter umher und will raus. Ich denke sie war einfach müde. Ich lasse sie raus zur Herde und hoffe, daß ist die richtige Entscheidung. Schade in dem Fall, daß Maultiere die menschliche Sprache nicht beherrschen!

Morgen früh werde ich mehr wissen.

 

 

 

Warum ich gerne morgens in den Stall gehe!

Ich gebe zu, manchmal würde ich auch gerne länger liegen bleiben, als jeden Morgen gegen sechs (im Sommer auch viel früher) bei jedem Wetter in den Stall runterzutigern. Doch der innere Schweinehund ist meist schnell überwunden. Da ist die Erwartung, wie es im Stall aussieht. Liegen noch welche aus der Herde? Wo liegen sie? Erwarten sie mich schon, weil alles Heu schon leer gefressen ist? Ist alles okay mit jedem Tier?

Liegende Maultiere
Elli, Ferdinand und Profi liegen im Stall

Wenn noch Tiere liegen, kann ich nicht wiederstehen … Warum ich gerne morgens in den Stall gehe! weiterlesen