Vier Tage mit vier Tieren – 2. Tag

UMWEGE UND BEGEGNUNGEN

Ausgeruht und munter startet der neue Tag. Zumindest wir Menschen sind nach dem langen Schlaf ausgeruht. Ein Vorteil beim Wanderreiten: meistens schlafe ich da wesentlich mehr als normal.
Die Mulis blicken mir auch schon erwartungsvoll entgegen. Ob sie wissen, daß es noch ein paar Tage weitergehen wird?

Das Packen klappt heute schneller und ist einfacher. Das Packsystem hat sich bewährt. Die „Packsättel“, also die Sättel von Elli und Lukas, nehmen wir jeweils zu zweit und setzen sie von hinten auf den Rücken. So können wir ohne viel Aufhebens die Taschen dranlassen und trotzdem ordentlich satteln. Übrigens nehmen es beide Tiere gelassen, so gesattelt zu werden.

Wie üblich laufen wir erst ein Stück mit den Tieren, bevor wir aufsteigen. Dem Bussen, dem „heilige Berg Oberschwabens“ sind wir inzwischen schon nahe gekommen. Am heutigen Tag wird er uns aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen sein.

Die Strecke hatte ich abseits der Bundesstraße durch Felder und den Wald geplant. Leider hatte ich nicht daran gedacht, daß hier ja zwei Landkreise aufeinander treffen. Der geplante Weg durch den Wald den Berg hinunter war nicht passierbar. Das kommt öfter vor, wenn die Wege nicht regelmäßig zur Holzabfuhr genutzt werden. Also auf der Karte nach Alternativen suchen und schnell eine Ausweichroute wählen. Es klappt auch ganz gut, wir sind so nur der Straße etwas näher gekommen. Der Streß, den der Verkehr ausstrahlt, fällt uns als langsam Reisenden besonders und auch unangenehm auf (obwohl ich selbst ganz selbstverständlich auch genau diese schnelle Art des Fortbewegens auch gerne nutze).

Die Tiere nehmen es gelassen, wundern sich nur, daß wir nicht in Richtung Bussen abbiegen, den sie von einem Wanderritt im letzten Jahr schon kennen.
Wir wechseln auf die andere Seite der Bundesstrasse und erreichen die Donau.
Hier ist sie noch nicht zu erkennen als Strom, der große Schiffe trägt. Immerhin sind ein paar Kanuten auf ihr unterwegs.
Auf den Wiesen suchen die Störche nach Nahrung. Romantik pur. Fast.
Denn hier ist die Landschaft wesentlich dichter mit Dörfer und Straßen belegt.

Toll, daß unser vier tierischen Begleiter auch die Durchquerung der Orte gelassen meistern. Pablo ist ja obercool im Verkehr, auch wenn große Fahrzeuge vorbeifahren. Da ist Lukas auf der rechten Seite dann ein bißchen abgeschirmt. Nur auf die Gullideckel muß man achten und Ausweichmöglichkeiten für ihn einplanen 😉
Elli führe ich auf der linken Seite von Bubble. Verkehrsgerecht wäre natürlich das Handtier auf der rechten Seite. Aber zum einen führe ich aufgrund einer Verletzung Handtiere lieber mit der linken Hand. Zum anderen ist bei meinem Team Elli die Gelassenere im Verkehr. Bubble ist immer noch nicht sehr begeistert von LkWs und Traktoren, auch wenn sie nicht mehr so schreckhaft wie zu Anfang ist.
Es ist Maishäckselzeit und die großen Traktoren und  Anhänger fahren hin und her. Auch andere LkW sind unterwegs. Wie schön ist es doch durch menschenleere Landschaften zu reiten 😉

Kleine Abenteuer erwarten uns noch.
Wir müssen irgendwie die Bahnlinie überqueren. Auf der Karte führt der Weg auf beiden Seiten zwar genau aufeinander zu,  aber es ist kein Weg drüber eingezeichnet. Auf Google Earth hatte ich gesehen, daß da wohl ein Weg drüberführt. So könnten wir die Straße umgehen. Mi war auch klar, daß wir vor Ort sie Lage angucken mußten und eventuell doch die Straße wählen würden.
Wir standen vor dem Überweg, der quasi von den Füßgängern angelegt war. Also Bubble drüber lenken mit Elli im Schlepptau. Am Rand aber lockere Platten, die die Entwässerungsrinne abdeckten. Bubble zögerte. Sie wäre drüber, aber Sicherheit ging vor. Schnell entschied ich, daß es sicherer ist, die Straße zu wählen, bevor Elli oder Lukas Theater auf dem Bahndamm machen würden. Es gab ja die Alternative!
Allerdings wurde gerade gebaut und die Straße umgeleitet. Der Feldweg daneben war nicht mehr existent. Also auf der Karte und im Gelände sondieren, wo unser Weg am besten herführen könnte, ohne, daß wir im nächsten Ort landeten. Die trockenen, abgemähten Wiesen machten die Sache einfacher.
Allerdings mußten wir ja noch über die Kanzach, ein Bach, der uns noch eine ganze Weile begleiten würde. Eine Baustelle, an der eine neue Brücke über den Bach gebaut wurde, versperrte uns den Weg. Da die Alternative einen weitere Umweg bedeutete, beschloß ich einfach durchzureiten. Bubble nahm es auch cool. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sie dann die unmöglichsten Strecken geht, wenn ich mir nur ganz sicher in meiner Wegführung und dem Beschluß, dort zu reiten bin. Elli lief dann wohl oder übel mit.
Für Kathrin war es nicht ganz so einfach. Ein kleines Zögern reiterseits bestärkt die Mulis, daß sie den Schwierigkeiten aus dem Weg gehen. Aber auch Pablo und Lukas kamen schließlich dann über die Stahlstangen, den Wall rauf und runter, vorbei am Kran und den freundlichen Bauarbeitern („ich hab Euch doch gestern bei Bremelau gesehen!“ 😉 ) wieder auf ruhigere Wege.

Die Landschaft war nun weiter, weniger Wald und viele Maisfelder. Zum Glück für uns war in diesem Jahr der Mais wegen der Trockenheit ziemlich klein geblieben. Ausblicke auf die Landschaft und z.B. den Bussen waren möglich. In einem normalen Spätsommer wären wir hier immer nur zwischen Maiswänden unterwegs.

Der Vorteil auf der anderen Seite der Donau: die Wege sind nicht mehr geschottert mit scharfkantigen Kalksteinen, sondern mit rundem Flußkies und wesentlich erdiger und damit weicher. Meine Bedenken, daß Lukas, der ja barfuß mitlief, zuviel Hufabrieb haben würde oder die Hufe ausbrechen, waren unbegründet. Die Hufraspel hätte ich mir sparen können. Ich hab sie nicht gebraucht 🙂

Ein Plätzchen für die Mittagspause brauchten wir noch. Im idealsten Fall natürlich Gras für die Maultiere, eine gute Anbindemöglichkeit für die Ausruhphase und ein nettes Sitzplätzchen für uns.
Aber in dieser Landwirtschaftsfläche natürlich schwer zu finden. An einem Bildstock an einer Wegkreuzung finden die Tiere zu fressen und auch die Möglichkeit zum Anbinden besteht so halbwegs. Gut, daß sie das gewohnt sind.

Schnell kommen wir ins Gespräch mit Spaziergängern, die vorbeikommen. Wenn jemand eine Reise tut und dann noch mit Maultieren, ist man immer interessant für die Menschen. Irgendwie steckt in jedem von uns doch ein bißchen noch der Nomade und Maultiere sind in Deutschland auch noch Exoten, die meist als Packtiere bekannt sind  😉

Je näher wir dem Federsee kommen, um so mehr reißt der Himmel auf. Wir haben geniales Wetter zum Unterwegs sein. Es ist angenehm warm und relativ wenig Insekten unterwegs. Nur wenn die Sonne rauskommt, nerven die Fliegen.

Unterwegs ein Anruf vom Quartier bei Bad Waldsee. „Das Wetter soll ja schlechter werden“. Geplant war ja Übernachtung der Tiere auf der Koppel. Es wäre aber möglich sie auch in einem überdachten Fahrsilo unterzubringen. Wow! Welch ein Service! Nicht, daß es schlimm wäre für die Tiere draußen zu stehen, aber wenn sie morgens aussehen, wie Erdferkel und dann noch nass sind, ist das Putzen und Satteln nicht so der Hit. Zum Liegen nutzen sie natürlich auch gerne trockene Flächen. So lang sie zusammen stehen können, ist das super. Nur auf Einzelboxen würde ich sie ungerne verteilen. Vor allem Lukas mag das gar nicht und fängt an hin und her zu laufen wie ein Tiger im Käfig.

Ein Teilstück des Weges ist zumindest Bubble und mir jetzt bekannt. Letztes Jahr auf dem Ritt nach Saulgau waren wir hier in heftigem Regen und Gewitter unterwegs. Davon bleiben wir jetzt verschont und kommen unserm Ziel immer näher. 🙂

Kurz vor dem Vollochhof, unserm Nachtquartier, steigen wir ab und lassen die Tiere noch an einer Wegkreuzung grasen. Auch um einen Traktor mit Miststreuer aus dem Weg zu gehen. Der wartet aber auch, bis er dann schließlich doch vorbeifährt. Am Steuer der Chef unseres Quartiers 🙂

Heute sind die vier Mulis in einem Offenstall zusammen untergebracht.  Spannend finden sie nicht nur die Pferde, die hier stehen, sondern auch die Lamas.

Wir sind gut untergebracht in einem der Zimmer für die Reiterferien. Schon wieder brauchen wir die mitgenommenen Schlafsäcke nicht, sondern haben auch hier wieder Bettzeug. 🙂

Der Himmel zeigt beeindruckende Wolkenbilder. Ich genieße sie.
Auch wenn ich weiß, daß sich wohl ab morgen das Wetter ändern wird. Aber jetzt ist erst mal das Heute angesagt!

Schön, daß wir mit unseren Quartiergebern Margarete und Melchior Sailer zusammensitzen können. Der Abend mit Pizza und Wein wird dann doch durch Gespräche über Pferde, Esel, Mulis, über Wanderreiten und das Leben allgemein etwas länger 😉 Das Kennenlernen von Pferdemenschen und der Austausch über Gott und die welt ist immer interessant.

 

 

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

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