Vier Tage mit vier Tieren – Handtierritt nach Wolfegg 1. Tag

 

PLANUNG ZWISCHEN WUNSCH UND WIRKLICHKEIT

Vor zwei Jahren fiel er aus, der geplante Ritt nach Wolfegg. Ein Termin kam dazwischen. Aber vielleicht scheute ich auch das Abenteuer mit Packtier unterwegs zu sein und es fiel mir leicht den anderen Termin anzunehmen?

In diesem Jahr hatte ich eine Mitreiterin, also gab es kein Zurück mehr. Außerdem hatte ich meinen Ritt auch schon angekündigt  in Wolfegg. Unser Ziel war nämlich das Bauernhausmuseum dort, genauer gesagt das Eselfest dort.

Alle zwei Jahre findet es im September dort statt. Letztes Mal bin ich mit Bubble und Lukas einfach mit dem Hänger hingefahren und hab den Ritt dorthin ausfallen lassen.  Es ist eine tolle Atmosphäre , das Museumsteam gibt sich viel Mühe, es für die Eselleute und die BesucherInnen zu einem schönen Erlebnis zu machen. Doch davon dann später mehr.

In diesem Jahr würde ich also wirklich hinreiten.
Obwohl ich ja viel uterwegs auf Wanderritten bin, ist es jedes Jahr eine Herausforderung in Gegenden zu reiten, in denen ich mich nicht auskenne. Bequemer ist es bekannte Pfade zu wählen. Aber man wächst ja mit der Herasuforderung 😉 .

Zuerst kam die Streckenplanung. Ganz traditionell sitze ich dazu über den Landkarten bzw. am PC vor der Karte und überlege die grobe Route. Vorgegeben hatte ich mir 4 Tage.

Dann die Quartiersuche. Die gestaltete sich doch etwas komplizierter, denn leider gab es in den Wanderreitverzeichnissen keine Stationen so, wie ich mir das vorstellte.  Also mal unter Bauernhofurlaub im Netz gestöbert und Freunde in der Richtung gefragt. Quartiere gefunden. Doch das geplante 2.te Quartier fiel dann aus und damit war die Gesamtstrecke fraglich. Also neu überlegen. Zum Glück war eine Familie vom Federsee noch bei einer Trekkingtour mit mir unterwegs und es fand sich ein Quartier in der Nähe und dann konnte ich noch eine bereits bekannte Wanderreitstation am Fuße der Alb buchen. Jetzt war noch das dritte Quartier in der Schwebe, denn bereits der dritte Nachbar des Gasthauses, wo dann die Maultiere unterkommen sollten, hatte keinen Platz. Also die nächste ein Stück entfernte Nachbarin angerufen. Doch die hatte auch keinen Platz, aber „vielleicht mein Nachbar“.  Und sieh da: nicht nur die Tiere, sondern auch wir konnten dort unterkommen. 🙂

Jetzt konnte die Feinplanung erfolgen. Besonders wichtig war mir, gute Möglichkeiten für die Überquerung der Bundesstraßen zu finden und möglichst wenig Orte zu durchreiten. Natürlich sollten auch die Strecken nicht zu lang werden. So um die 25 km sind ganz gut machbar.

Geplant hatte ich mit 4 Tieren: Bubble mit Elli als Packtier und Pablo mit Lukas als Packtier.

Pablo ist ja ein ganz liebes und absolut souveränes Muli auch im dicksten Verkehr. Er verträgt sich auch ganz gut mit Lukas, der ja schon reichlich Erfahrungen als Packtier hat. Da war klar, daß das die Kombination für meine Mitreiterin Kathrin ist. Schließlich hatte sie auch noch keine Erfahrung im Handtierreiten.

Bubble ist ja eine ziemliche Zicke und hasst es eigentlich mit einem Handtier laufen zu müssen. Mit Elli verträgt sie sich auch nicht so toll. Da war die Versuchung groß, doch nur Lukas als Packtier mitzunehmen. Das Gepäck für uns auf ihm unterzubringen, wäre auch kein Problem. Einfacher reiten wäre dann auch, weil wir uns mit dem Handtier abwechseln könnten.
Aber von Wolfegg war der Rückweg mit dem Hänger geplant. Wenn wir mit drei Tieren reiten würden, müßte ein Tier alleine im Hänger zurückfahren. Das habe ich mit Bubble schon mal auf einem Wanderritt so gemacht, aber ihre Begeisterung hielt sich doch sehr, sehr in Grenzen. Aber trotzdem:  der Ritt wäre einfacher …

Im Nachhinein bin ich froh, daß ich meinen faulen Schweinehund überwunden habe, und wir dann wirklich mit den vier Tieren losgezogen sind!

DAS ERSTE PACKEN UND DIE ERSTEN VERBRANNTEN FINGER

Am ersten Tag kamen wir erst um halb zwei los, da sich die Ankunft meiner Mitreiterin verzögerte. Außerdem dauerte es doch eine ganze Weile, bis alles verpackt und gleichmäßig auf die Tiere verteilt war.

Alle Mulis trugen ihre Westernsättel. Bei Lukas hatte ich die Steigbügel abmontiert, da er meist als Packtier mitlief und ich auch in Wolfegg nicht erwartete, daß ihn jemand reiten würde.

Die Reittiere Pablo und Bubble hatten Vorderpacktaschen. Da kamen die Sachen rein, die wir schnell erreichen mußten: Trinkflaschen, Snacks, Sonnencreme, Halstuch, Kamera, (Mineral-)Leckerlie für die Tiere, sonstige Kleinigkeiten. Bei mir noch Notbeschlagwerkzeug und 1. Hilfe.

Elli trug die Gepäcktaschen mit unserer Verpflegung, dem Putzzeug, Ersatzhalfter und Hufraspel. Außerdem noch das lange Anbindeseil.

Lukas hatte da mehr zu tragen: in den selbstgenähten Paniertaschen (legt man einfach über den Sattel, haben Ausschnitte für das Horn vorne und das Cantle hinten) passten auf jede Seite zwei Fahrradpacktaschen mit unserem Privatgepäck.  Da die Paniertasche aus einem alten Bettzeug genäht ist, ist das natürlich nicht wasserdicht. Die Fahrradtaschen aber schon.
Zusätzlich hatte er auch noch Vordertaschen für Kleinzeug, eine Extrarolle mit dem Schlafsack von Kathrin und einen BW-Poncho als Regenplane dabei. Damit sah er schon aus wie ein richtiger „Packesel“.

Für Kamera, Ladegerät, Akkus hatte ich wasserdichte Packbeutel dabei. Die Kosten zwar ein paar Euro, aber sind stabiler, sicherer und komfortabler als Plastiktüten. In den Fahrradtaschen hatten wir zur Sicherheit die Kleidung noch in großen Gefrierbeuteln (nasse Klamotten sind einfach sehr ärgerlich!).

Natürlich mußte alles möglichst gleichmäßig und sicher auf beiden Seiten der Tiere verpackt sein. Beim Reittier merkt man ja schnell, wenn der Sattel rutscht. Das Handtier ist da weiter weg und rutschendes Sattelzeug kann auch Panik verursachen!

Bald nach dem Start hatten sich die Tiere an  ihre Teams gewöhnt.

Bubble zickte zwar rum und Elli wollte eigentlich nicht in dem flotten Tempo von Bubble mitlaufen, aber im Großen und Ganzen war ich ganz zufrieden. Wir mußten uns auch ziemlich beeilen, denn von Mehrstetten bis Zwiefalten Baach ist es ein ganz ordentliches Stück. Bis spätestens halb Acht wollte ich in der Radlerherberge ankommen, denn dann wird es ja schon ziemlich dunkel im September. Unterwegs fiel mir dann ein, daß es vielleicht noch sinnvoll gewesen wäre zumindest Warnwesten einzupacken. Zu spät – aber wir haben sie nciht gebraucht 😉

Pablo und Lukas liefen wie erwartet eigentlich ganz unauffällig. Zeit für Kathrin sich an die etwas andere Reitweise mit zwei Tieren zu gewöhnen. Wir waren alle vier Tage ausschließlich im Schritt unterwegs, um es nicht zu verkomplizieren.
Lukas läuft super mit und passt sich dem Reittier hervorragend an. Fast immer!
Aber eben nur fast.  Denn wenn er mal muß, dann bleibt er ohne Rücksicht stehen und die Ankündigungen muß man erst sehen lernen. Und außerdem kann es sein, daß ein gruseliges Bodenhindernis, wie z.B. ein Gullideckel oder plötzlich wechselnde Straßenbeläge ihm quasi den Schlagbaum vor die Nase stellen.  Um die Deckel läuft er dann einfach einen Bogen. Anderes muß er kurz anschauen, bevor er es vorsichtig betritt. Auf sein Stoppen muß man gefasst sein und das Reittier bremsen, während man den Handstrick mit Lukas länger läßt. Weh dem, der den Strick ganz festhält. Entweder wird man dann aus dem Sattel gezogen oder eben der Strick durch die Hand 🙁
Die ersten verbrannten Finger und dann auch noch gleich am ersten Tag. Wäre ich mehr ein Handschuhmensch, hätte ich dran gedacht, wenigstens meiner Mitreiterin Handschuh zu empfehlen. Zu spät und wieder was gelernt: mindestens unerfahrenen HandtierreiterInnen Handschuhe empfehlen!

Zum Glück war es unter der Woche, die Ferien vorbei und das Wetter nicht ganz so prickelnd, so daß wir ein ganzes Stück im Lautertal unterwegs sein konnten. Das hieß: keine Steigungen und einfache Orientierung 🙂
Zwischendurch gab es Freßpause für die Tiere und für uns ein kurzer Snack.
Hinauf nach Hayingen und dann über die Höhe und hinunter bis Baach am Südrand der Alb und kurz nach sieben dann Ankunft im Quartier.

Die Tiere kamen auf die Koppel, die wir zu Sicherheit noch mal kurz am Zaun abliefen. Sie waren glücklich, daß sie sich wälzen konnten, aber auch ein wenig verwundert, daß sie nun hier übernachten sollten. Übrigens: von Müdigkeit keine Spur, sie konnten auch noch wunderbar herumgaloppieren.

Nachdem wir die Sättel verstaut und unser Gepäck auf das Zimmer gebracht hatten, machten wir uns auf den Weg nach Baach (die Radlerherberge liegt ja ein bißchen abseits). Im Felsen haben wir wunderbar gegessen und uns schon bald auf den Rückweg gemacht.

Herrlich sich einfach ins Bett zu kuscheln. Und  jetzt nicht, wie auf den anderen Ritten, ins Auto zu sitzen, den nächsten Tag zuhause zu organisieren und dann nach der Versorgung der Tiere daheim wieder zur Station zu fahren. Da kommt Urlaubsstimmung auf und das bei der Arbeit 😉 Super hab ich geschlafen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.