Von Muli-Anfängerinnen und Anfängern

Gestern war ich mal wieder mit einer Kurztrekkingtour unterwegs mit zwei Familien. 3 Tiere:  2 Maultiere (Afra und Elli) und ein Pferd (Navajo) hatten wir dabei.
Bei den Trekkingtouren werden die Tiere von den Gästen geführt. Auch im Sattel können Gäste sitzen. Hier waren es erst mal die Kinder, später dann aber auch die Erwachsenen.  Mit Reiten hat das nur das auf dem Tier sitzen gemein. Es ist einfach ein tolles Angebot auch für Menschen, die nichts oder noch nicht viel Erfahrung mit den Equiden haben. So war es auch bei den beiden Familien, die zwar große Lust, aber wenig Ahnung hatten.

Beim ersten Anblick der Herde: „Oh, das sind ja Pferde!“ „Nein, das ist ein Esel!“ Also ist kurz aufklären angesagt: die mit den langen Ohren in der Herde sind die Maultiere. Die mit den kurzen Ohren sind die Pferde. Ein Esel ist nicht dabei. Wie man das erkennt? Ein Esel hätte keinen Pferdeschweif, sondern einen Eselschwanz. Da ist wohl bei der nächsten Eselbegegnung mal genaueres Hinsehen gefragt 😉

Die zweite wichtige Frage: „Wie ist das bei den einen ist doch die Mutter das Pferd und bei den anderen andersrum, oder?“ Irgendwie ist es schon lustig, daß die Frage nach Maultier und Maulesel doch immer wieder auftaucht. Hier folgt die Erklärung:
Beim Maultier ist die Mutter das Pferd und der Vater der Esel. Das Maultier, erzgogen von der Pferdemutter glaubt quasi, daß es ein Pferd ist.
Der Maulesel stammt aus der Eselin und hat ein Pferd als Vater.
Es ist wie bei alleinerziehenden Müttern: der Familienname geht von der Mutter auf`s Kind: Maulesel = Mutter Esel.
Übrigens kann man Maulesel und Maultiere äußerlich nicht erkennen. Das wäre so, wie wenn man an einem Kind eines schwarzen und eines weißen Elternteils sehen würde, wer Vater und wer Mutter ist – das geht einfach nicht.
In meiner Herde ist z.B. Lukas sicher das Tier, daß am eseligsten aussieht, während Elli sehr pferdige Züge hat.

Haflingermaultierstute Afra

Haflingermaultierstute

Die klassische Frage der Männer ließ auch nicht lange auf sich warten: „Sind die Maultiere nicht so stur wie Esel?“
Meine Gegenfrage: „Wieviele Esel kennst Du persönlich?“ Wie üblich gabe es auch hier keinerlei Erfahrugen mit Eseln. Die einfache Verneinung der Frage hätte also gar nix gebracht. Aber was ist überhaupt Sturheit?
Maultiere, Esel, aber auch einige Pferderassen sind sehr vorsichtig, wenn es darum geht sich in Schwierigkeiten zu bringen. Ist ihnen ein Weg nicht vertrauenswürdig genug, verweigern sie schon mal das Weiterlaufen. Im Gebirge ist es ja durchaus sinnvoll, vorher zu überlegen welchen Weg man nimmt.
Meine Feststellung bei den Maultieren ist, daß sie gut auch die ungewöhnlichsten Wege meistern, wenn ich mir als Führende drüber klar bin, was ich will, das der Weg machbar ist und es keine Alternative gibt. Sobald ich einen Alternativweg in Erwägung ziehe, wird das Maultier für sich unangenehme Wege verweigern.
Das mag man Sturheit nennen, ich finde, daß es uns Menschen dazu bringt, sich klarer zu werden, ob der Weg Sinn macht. Mit Halbheiten komme ich beim Muli auf jeden Fall nicht weit!
Ansonsten erlebe ich von seiten der Maultiere eine große Bereitschaft und Lust mitzuarbeiten.

Unterwegs mit den Tieren kommt dann für die 2 Familien die nächste Überraschung: Maultiere sind ganz schön flott unterwegs! Für die Führenden ist es gar nicht so einfach mitzukommen, denn bei uns liegt ja noch ziemlich Schnee, der am Nachmittag natürlich schon recht sulzig ist.
Elli und Afra legen ein zügiges Tempo vor. Wobei Afra auch immer auf der Suche nach Fressbarem ist (da kommt wohl die Haflingermama durch 😉 ). Navajo, das Pferd, ist vor allem von zuhause weg sehr gemütlich unterwegs. Später legt auch er Tempo Richtung Heimat zu.
Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden mit den Tiere, die sich auch von den Anfänger/innen, egal ob Erwachsener oder Kind, gut führen lassen.

Zwischendurch wird gewechselt und die Kinder wollen durchaus auch führen, nicht nur draufsitzen. Es ist einfach fasinierend, daß so große Tiere sich doch so einfach von uns Menschen führen lassen.

Begeistert sind die Mulianfänger/innen auch von der unglaublichen Weichheit der Schnauze der beiden Maultierstuten. Da werden die Mulis schnell zu Freunden.

Spannend immer wieder zu sehen, wie die Souveränität im Umgang mit den Tieren in ein paar Stunden wächst. Und schön auch wieder ein paar neue Freundinnen und Freunde der Mulis gefunden zu haben. 🙂

 

 

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

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