Wanderritt mit Maultier Nele

Erster Wanderritt mit neuem Muli

Sehr netter Weise hat Elke Koch von Albtips.de einen Artikel über den Wanderritt mit Nele geschrieben 🙂

Mit Nele auf dem Nordrandtrail

Ich war ja schon auf einigen, auch längeren Wanderritten mit den Albmulis von Julia Krüger und bin in den letzten 10 Jahren auf verschiedenen, meist erfahrenen Pferden und Maultieren geritten – mal bei Sonntagsausflügen, mal auf mehrtägigen Touren. Aber vier Tage unterwegs am Albtrauf mit einer noch recht jungen Mulidame, die erst wenige Wochen in ihrer neuen Herde und im Reitbetrieb ist – wie würde das wohl werden?

Kennenlernen

Glücklicherweise hatten wir beide vorher auf zwei kurzen Ausritten die Gelegenheit uns etwas kennenzulernen. Nele merkte man ein wenig Unsicherheit zwar an, aber sie blieb in allen Situationen sehr cool. Sie musste unglaublich viel schauen und staunen, wenn sie die Gegend noch nicht kannte. Bei jeder möglichen Abzweigung verrenkte sie sich fast den Kopf, reagierte aber sofort auf Gewichtsverlagerung und Schenkelhilfen – sofern diese korrekt von der Reiterin kamen.

Maultier Nele-voraus

Start ins Wanderreitleben

Anfang Mai 2016 ging es also los auf den 4-tägigen Nordrandtrail, der uns von Mehrstetten zur nördlichen Traufkante der Schwäbischen Alb und rund um den ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen wieder zurückführte. Besonders schön war, dass sich zu diesem Wanderritt exakt die gleiche Gruppe wieder zusammengefunden hat wie letztes Jahr auf dem Wald-Wacholder-Wasser-Ritt zum Südrand der Alb. Und was für ein Glück wir hatten, dass diesmal die Betonung nicht auf dem Wörtchen „Wasser“ lag – zumindest nicht mit Wasser von oben.

Nele kannte die Prozedur natürlich schon, ließ sich aufhalftern, putzen und satteln. Dabei genoss sie zwischendurch auch kleine Streicheleinheiten, wenn diese sie vom inzwischen lästigen Winterfell befreiten. Wie fast alle mir bekannten Mulis, liebt sie es, wenn man sie im Ohr krault. So war auch das Überstreifen der Fliegenschutzkappen kein Problem.

Schließlich ging es los und Nele war so sehr motiviert, dass sie erst einmal in schnellem Schritt weit vor den anderen lief. Sie ließ sich aber jederzeit stoppen und wir warteten an den Abzweigungen auf den Rest der Gruppe. Schon bald jedoch – als sie sich gar nicht mehr auskannte – war sie auch glücklich, ganz hinten mitzulaufen und stets die unbekannte Landschaft zu bestaunen.

Maultier Nele

Sehr interessant war Neles Reaktion auf die erste Picknickpause. Üblicherweise können die Pferde und Mulis dort zuerst ein wenig grasen und dann am Seil angebunden ruhen, während die Menschen essen. Nele war immer noch mit dem Anschauen der Landschaft beschäftigt und sah mich zwischendurch fragend an. Erst als ich mich hinabbeugte und ins saftige Grün fasste, schien sie zu verstehen und fing an zu grasen – immer wieder unterbrochen vom Umherschauen. Das ruhige Stehen am Seil danach war überhaupt kein Problem für sie.

Maultier Nele schaut

Den Nachmittag über lief sie ebenso cool mit den anderen mit wie zuvor. Dass sie bei jedem Ab- und Aufsteigen wunderbar stehen blieb, wusste ich zu schätzen. Als wir die Tiere durch den Ort Rietheim führten, war sie sehr aufmerksam, aber gewohnt ruhig. Später im Wald schaute sie sich von den anderen ab, dass man auch in kurzen Pausen nebenbei ein paar Grashalme abzupfen kann und bei quasi ins Maul ragenden Buchenästen auch unterwegs einfach zubeißen muß.

Schließlich erreichten wir die erste Übernachtungsstation auf dem Birkenhof. Nach einer Ruhephase und dem Absatteln durften die Mulis und Pferde auf eine große Koppel. Nele war eine der ersten, die sich genüsslich auf dem Boden wälzte. Das musste ihr niemand zeigen.

Maultier Nele beim Wälzen

Am Albtrauf

Am nächsten Morgen war der übliche Ablauf schon bekannt und wir zogen erneut los. Nele konnte nicht nur wunderbar ruhig stehen, sondern hielt auch zuverlässig an allen Straßen und überall wo nötig an. Schon zuvor war mir aufgefallen, dass sie auch beim Führen sehr auf den Menschen achtet und sofort stehen bleibt, wenn dieser stoppt.

Bei den Rutschenfelsen hatte auch ich inzwischen so viel Vertrauen in Nele, dass ich mir wegen der steil abfallenden Felsen keine Sorgen machte. Ganz ruhig stand sie bei den anderen und graste friedlich, während wir Menschen abwechselnd die Aussicht bewunderten. Nur einmal in den vier Tagen machte sie einen kleinen Satz seitwärts – nämlich als ein Traktor recht schnell an uns vorbei fuhr. Andererseits blieb sie bei den lärmenden Waldarbeitern oder bei Quads und Anhängern völlig entspannt.

Maultier bei Waldarbeiten

Später beim Picknick stand sie brav am Seil und folgte mir danach am Strick den Berg hinab. Auf dem wunderschönen Grünen Weg durch das Ermstal meldete sie ohne Aufregung Radler von hinten. An einer Stelle konnten wir sogar in die Erms hineinreiten und es war spannend, ob Nele dies wohl gerne tun würde. Sie sah die anderen Tiere im Wasser und ging recht schnell auch einen ersten Schritt vorwärts. Dann zögerte sie ein wenig. Als sie den Huf hob und für mein Empfinden einen winzigen Schritt nach vorne machte, lobte ich sie überschwänglich und prompt lief sie ins Wasser, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Mulis muss man einfach überzeugen, man kann sie nicht zwingen. Sie schaute sich neugierig um und trank ausgiebig, denn es war ein sehr warmer Frühlingstag ohne den kühlen Wind, der noch am Vortag geweht hatte.

Maultier Nele im Wasser

Nach einem weiteren wunderschönen Wegabschnitt durch die Trailfinger Schlucht trug mich Nele einen letzten steilen Anstieg hinauf und wir alle wurden mit einem grandiosen Blick über die Weiden beim Hofgut Uhenfels belohnt – bzw. mit dem ausgiebigen Grasen auf einer davon.

Besonders schön fand ich, dass ich von unserem Zimmer aus nachts nach den Tieren schauen konnte. Nele stand meist alleine draußen, da sie ja die Neue in der Gruppe ist. Einmal allerdings stand Herdenchef Igor neben ihr – er nimmt seine Rolle eben ernst und kümmert sich um alle seine Herdenmitglieder.

Routine am dritten Tag

Der dritte Tag begann mit der üblichen Routine. Wir führten die Tiere hinab ins Tal. Nele ging inzwischen problemlos auch in der Mitte oder neben den anderen. Im Ort, die schmale Straße hinauf, durch den Wald und dann auf die Ruine Hohenwittlingen mit einer Stufe im Fels – alles überhaupt kein Thema für Nele. Nur dass ihre Chefin Julia Krüger plötzlich ganz weit oben auf dem Turm stand, schien sie etwas zu verwirren und sie musste intensiv gucken und horchen.

Maultier Nele auf der Burg

Aus dem Dorfbrunnen trank sie zusammen mit den anderen ohne zu zögern. Schafe am Wegesrand fand sie ein wenig unheimlich, ließ sich aber zum Weitergehen bewegen. Beim Picknick stand sie zum ersten Mal nicht leicht abseits und wurde prompt beim Schmusen mit Navajo gesehen. Das gemeinsame Unterwegssein schweißte offenbar Tiere wie Menschen zusammen.Maultier Nele und Schafe

Nachmittags trug mich Nele tapfer weiter bis nach Feldstetten und ich versuchte trotz beginnender Migräne, möglichst nicht zu verspannt auf ihr zu sitzen. Auch dies zeigte mir, wie gut sie einerseits ausgebildet ist und wie cool sie andererseits mit allen Situationen umgehen kann, obwohl sie mit ihren 10 Jahren für ein Muli noch recht jung ist.

Heimwärts

Am vierten Tag führten wir die Tiere relativ lange, bevor wir aufstiegen. Nele war nach wie vor sehr aufmerksam. Eine Gruppe Wanderer meldete sie schon lange, bevor ich sie sehen konnte. Andererseits hatte sich Nele sehr gut in die kleine Gruppe eingefügt und sofort verstanden, dass die Richtung gen Heimat stimmte. Einmal sogar blieb sie an einem Abzweig stehen, als wollte sie sagen, da geht’s nach Hause. Das Schritt-Tempo war den ganzen Tag über sehr hoch und Nele war zwischenzeitlich mehr auf die heimwärts strebende Herde als auf ihre Reiterin konzentriert, dennoch jederzeit ansprechbar.

Am letzten Tag waren sogar zwei schöne Galoppstrecken durch die langgezogenen Täler drin. An Neles Galopp musste ich mich erst kurz gewöhnen, aber beim zweiten Mal ging es schon besser. Das Gute ist, dass Mulis meist sehr gemütlich galoppieren und keine kopflosen Raser sind.

MaultiergähnenAlles in allem ist Nele ein echter Glücksgriff für alle, die sie reiten dürfen. Sensibel und nervenstark, sympathisch und cool, liebenswert und gar nicht dickschädelig. Ich werde mich immer gerne an die vier Tage mit ihr und mit den tollen Mitreiterinnen erinnern.

Nachtrag von Albmuli:

Nele hat sich sehr gefreut, wieder in die gewohnte Umgebung nach Mehrstetten zu kommen und den Abend mit allen auf der Koppel genossen. Zwei Tage später zeigte sich, wie wichtig ihr das neue Zuhause ist: sie wollte beim abendlichen Ausritt lieber wieder zurück zur Herde. Wir haben dann getauscht und ich bin Nele geritten, nachdem ich ein Stück mit ihr gelaufen bin. Nach den vielen Ortswechseln und damit auch Herdenwechseln darf sie sich nur dran gewöhnen, zur Herde und zu mir zu gehören, auch wenn die Ort und die ReiterInnen schon mal wechseln.
Sie beruhigte sich dann auch und lief prima die Runde mit 🙂

Wer Du Dich für die Alb interessiert, empfehle ich Dir in den Blog von Elke reinzuschauen. Da gibt es jede Menge Anregungen für kleine und große Touren auf der Alb zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit Muli und Pferd.

 

Falls Du selber mal mit Muli auf Wanderritt gehen willst, findest Du noch Plätze bei unseren Wanderritten unter Albmuli.de

Hier noch Bilder aus meiner Kamera vom Ritt am Nordrand:

Unsere Übernachtungsquartiere (bei denen auch Mulis willkommen sind 😉 ) findest Du auf www.wanderreiten-alb.de
Birkenhof – St.Johann-Gächingen, Hofgut Uhenfels – Bad Urach-Seeburg, Lindenhof – Laichingen-Feldstetten

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

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