Warum ich gerne morgens in den Stall gehe!

Ich gebe zu, manchmal würde ich auch gerne länger liegen bleiben, als jeden Morgen gegen sechs (im Sommer auch viel früher) bei jedem Wetter in den Stall runterzutigern. Doch der innere Schweinehund ist meist schnell überwunden. Da ist die Erwartung, wie es im Stall aussieht. Liegen noch welche aus der Herde? Wo liegen sie? Erwarten sie mich schon, weil alles Heu schon leer gefressen ist? Ist alles okay mit jedem Tier?

Liegende Maultiere
Elli, Ferdinand und Profi liegen im Stall

Wenn noch Tiere liegen, kann ich nicht wiederstehen …und muß zu ihnen hingehen und sie mal kurz streicheln. Vor allem bei den vormals sehr scheuen Tieren wie Professor oder Ferdinand ist es immer noch ein ganz berührendes Erlebnis, wenn sie vertrauensvoll liegenbleiben und sich streicheln lassen. Es ist ein kurzes Auftanken, ein Zur-Ruhe-kommen in der beginnenden Hektik des Morgens. Einfach toll, daß ich das immer wieder erleben darf.

Bewaffnet mit Schubkarre und Mistgabel geht es dann an die Beseitigung der nächtlichen Produktion der Tiere. Klar, daß einige dabei immer im Weg stehen 😉
Sammy, der alte Haflinger, positioniert sich treffsicher immer da, wo ich gerade arbeiten will. Alfred, der spanische Muli auch schon älteren Semesters, kommt mit gesenktem Kopf zu mir, um sich seine Krauleinheiten abzuholen. Rosalie, mein buntes Zickenmuli, stellt sich abwartend in den Fressbereich. Auch sie wartet inzwischen auf kurze Krauleinheiten. Profi wartet eher im Hintergrund, beobachtet aber genau jeden meiner Schritte. Auch er genießt es, wenn ich mir kurz Zeit für ihn nehme. Elli, die kleine Freibergermulistute, wartet auch eher im Hintergrund darauf, daß ich ihr kurz über die Nase und die Stirn streichel. Ferdinand, der Ardennermuli, stelt sich auf den Liegebereich hinter die Abgrenzung und läßt sich dort zart steicheln. Manchmal traut er sich inzwischen, mich sogar ein wenig fordernd mit dem Kopf anzustoßen. Lukas drängt zu mir hin, sobald er sieht, daß ich ein anderes Muli streichel, denn auch er braucht die Streicheleinheiten. Mala, die große Freibergermulistute, streckt den Kopf und vor allem die Oberlippe mir erwartungsfroh entgegen. Sie dreht sich dann aber meist so hin, daß ich sie zwischen den Hinterbeinen kraule. Wenn Pablo neben mir ist, muß der sich natürlich erst mal ausgiebig seinen Kopf an mir rubbeln. Afra hat sich inzwischen auch eingereiht in die Morgenrunde und liebt es kurz an der Schulter gekrault zu werden. Je nachdem sind auch die anderen Mulis und Pferde da und jeder wird zumindest kurz begrüßt.

Liegender Professor
Natürlich dauert deshalb das Misten etwas länger, aber ich möchte diese Sekunden in Zweisamkeit in der Herde nicht missen. Das ist ein wichtiger Grund dafür, sich morgens gerne aus dem Bett zu schwingen.

Gelernt habe ich das von guten pferdischen Chefs in der Herde. Auch sie kümmern sich mal kurz um jedes Mitglied der Herde. Grasen z.B.  nach Abwesenheit (z.B. wegen Wanderritt) abwechselnd mal mit jedem Mitglied der Herde und begrüßen jedes Mitglied. Die Zeit, die ich mir morgens nehme, ist wichtig für unseren Zusammenhalt als Team. Sie gibt den Herdenmitglieder und mir ein gutes Gefühl der Zusammengehörigkeit und des gegenseitigen Vertrauens.
Toll, daß ich das so erleben kann, weil ich die Tiere eben selber versorge 🙂

Übrigens ist der Zauber vorbei, wenn das Heu verteilt wird. Dann ist fressen angesagt und daß jedes Tier seinen Platz findet.

 

 

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

2 Gedanken zu „Warum ich gerne morgens in den Stall gehe!“

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