Wer mag schon eine Zicke?

Nein, es war nicht Liebe auf den ersten Blick! Und mein Muli hat sich sicher auch nicht ganz romantisch mich ausgesucht!
Eher sachliche Überlegungen führten mich dazu von der schwäbischen Alb ins Münsterland zu fahren und mir dort ein Tinkermuli bei Gangpferde Vierhaus anzusehen, das dort zum Verkauf stand. Mit 151 cm Stockmaß und als gerittenes Tier hatte die Stute Bubble Gum die Aufmerksamkeit geweckt. „Damals“, also Ende 2008 war ich auf der Suche nach Maultieren in Reitpferdgröße und sie waren in Deutschland sehr rar gesät.
Also vor Weinachten „geschwind“ ins Münsterland und dort das Muli angucken … und reiten!
Ein besonders nettes, freundliches Tier ist Bubble nicht. Sehr reserviert Fremden gegenüber und deutlich auch ihr Mißfallen ausdrückend, gehört sie sicher nicht zu den Maultieren, die als Knuddeltiere in die Muligeschichte eingehen.
Aber: sie ließ sich sehr nett reiten und ging sogar Tölt anstatt langsamen Trab. Der Unterhals zeugte von ausprägterm Dickschädel, der gerne mal dagegen geht.
Aber: mit ihrer schwarzen Decke und den weißen Strümpfen macht sie einfach etwas her und wirkt sehr elegant.
Eine gefestigte Persönlichkeit, die genau wußte, was sie will.
Aber: mit 12 Jahren eben auch ausgewachsen und der Pubertät deutlich entwachsen und genau im richtigen Alter, um in meine Wanderreitbetrieb einzusteigen.

Also habe ich noch mal drüber geschlafen und dann Bubble Gum gekauft. Im Januar holte ich sie aus dem damals vereisten Münsterland zu uns auf die winterliche Alb.
Verladen und auch die Fahrt verlief problemlos. Bubble stand absolut ruhig im Hänger. Auch das Ausladen klappte einwandfrei.
Im Stall beim Hufeauskratzen erst mal deutlicher Unwillen und Wegziehen der Hinterhufe – okay, da werden wir wohl üben müssen! Auch ansonsten drehte scih Bubble eher weg von mir.

Zum Glück passte der Sattel meines Bosniaken auf Bubbles Rücken und ersten  Ritte verliefen problemlos. Ungewöhnlich für meine Mitreiterinnen und auch mich war nur das hohe Schritt-Tempo (mein Haflinger hatte ein wesentlich langsameres Tempo bevorzugt).
Und dann waren da natürlich noch 2 Dinge, die Bubble gleich im ersten Monat bei mir lernen mußte:
1. auf der Alb bleibt der Schneelang und es gibt ziemlich viel davon!
2. es geht immer wieder bergrauf und auch bergrunter!

Bubble war vor allem vom Bergab-laufen gar nicht begeistert. Fehlende Hinterhandmuskulatur machte es ihr natürlich auch unangenehm. Im ersten Jahr bin ich ziemlich viele Buckel runtergelaufen. Oben das bald schon obligatorische „Doch!“ um sie in Bewegung zu setzen von meiner Seite, aber genauso von ihr das obligatorische Stehenbleiben, sobald es bergab ging und die dezente (rhetorische) Nachfrage ihrerseits: „Du willst doch sicher den Berg runterlaufen!“
Wir haben uns arrangiert und inzwischen reite ich auch Berge herunter.

Inzwischen sind wir auch ein gutes Team – zwei Dickschädel, die sich doch sehr aneinander gewöhnt haben und sich auch mögen!

 

 

Veröffentlicht von

Julia

Hallo, ich bin Julia und schreibe hier über meine Erlebnisse und Erfahrungen mit meinen Maultieren. Mehr über mich und was ich so mache, siehst Du auf meiner Seite unter https://albmuli.de/

3 Gedanken zu „Wer mag schon eine Zicke?“

  1. Das liest sich doch einfach wunderbar und Bubble ist ein echtes Charakter-Muli – und ein besonders schickes noch dazu :-). Ich freue mich sehr über Deinen neuen Blog und werde diesen ganz sicher weiterhin mit Spannung verfolgen und irgendwann verschlägts mich dann auch mal auf die Alb.

    Herzliche Grüße
    Barbara

    1. Ja, inzwischen möchte ich Bubble nicht mehr missen, denn die sechs Jahre und die vielen gemeinsamen Kilometer haben uns sehr zusammengeschweißt. Wenn wir auch nicht immer einer Meinung sind, mag ich genau ihre Eigenständigkeit an ihr. Da hab ich wirklich eine Partnerin, die mit mir unterwegs ist 😉

      Ich bin gespannt, wann Du es mal auf die Alb schafft – warte nicht zu lange!

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